Kurztrip nach Shillong

Die vergangenen Tage hatten wir die Möglichkeit Indien aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen. Letzten Donnerstag kamen wir nach 94 km, um 120 Rupien leichter und mit einer unfassbar leckeren Ananas im Bauch in Shillong an. Dort wurden wir vier Freiwilligen von zwei Studenten der Don Bosco Universität Guwahatis empfangen, die wir die Woche zuvor durch unsere Mentorin Riju kennenlernen durften. Die ersten zwei Tage verbrachten wir in einem kleinen Bergdörfchen namens Smit. Dort durften wir in einer Khasi-Familie leben und die Stammestraditionen hautnah miterleben. So führte uns der Mann der Königin, an unserem ersten Tag beispielsweise, höchstpersönlich durch den beeindruckenden Palast des Stammes. Weiter ging es dann zu acht, in ein spielzeugähnliches Auto gequetscht, zu einem Aussichtspunkt, von dem aus sich ein Blick auf unberührte Natur und dazwischen, von der Außenwelt abgeschnittene, Bergdörfer bot. Mit dem wunderschönen Szenario vor Augen konnten wir noch viel mehr unser Mittagessen, was mal ausnahmsweise nicht in Plastik, sondern in Bananenblätter eingepackt war, genießen. Die Ruhe war ein perfekter Ausgleich zum geschäftigen Guwahati. Außerdem kamen wir noch in den Genuss einen wundervollen Wasserfall zu bewundern, der ebenso abgeschieden von der Außenwelt lag. Wieder zurück in Smit, freuten wir uns sehr über das wärmende Feuer im Wohnzimmer, worum sich die ganze Familie, von Omas über Tanten bis zu Enkeln und Cousins, versammelte. Als Dank für ihre Gastfreundschaft zauberten wir ein Abendessen, bei dem die Menge des Gemüses überwog und nicht wie sonst der Reis. Die nächsten zwei Tage stellten sich als komplettes Kontrastprogramm heraus. Die Familie, in der wir nun lebten, wohnte mitten in Shillong, der Hauptstadt Meghalayas, die im Vergleich zu Guwahati immer noch dörflich schien. Das jetzige Programm war eher touristisch. So besichtigen wir erneut Wasserfälle, den regenreichsten Ort der Erde, Cherrapunjee, kletterten durch das Mawsmai-Höhlensystem, und konnten vom Thang Kharang Park die Sicht auf das, im Nebel verschleierte, Bangladesh genießen. Auch hier nahm die Familie einen hohen Stellenwert ein. So trafen gestern Abend alle zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. Danach ließen wir den Abend zusammen im Wohnzimmer ausklingen, jedoch nicht wie in Smit um ein Feuerchen versammelt, sondern um einen kleinen Elektroheizer.

Wer zuerst kommt, malt zuerst

Feast of Our Lady of Fatima

Am vergangenen Wochenende feierten „unsere Schwestern” ein Fest zu Ehren ihres Ordens. Am 13. Oktober 1917 erschien Maria drei kleinen Kindern in Fatima und forderte sie auf, dort eine Kapelle zu ihren Ehren zu bauen und jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Jedes Jahr an diesem Tag wird daher ein Fest mit einer großen Messe und allen befreundeten Pfarrern und Schwestern gefeiert.
Die Vorbereitungen waren sehr aufwendig und zogen sich über mehrere Tage hin, wir bastelten Blumenschmuck und verzierten die Kapelle, parallel dazu wurde ein Großeinkauf getätigt und am Abend gab es ein wahres Festessen mit Fleisch und Fisch. Besonders viel Spaß hat es uns bereitet, den Obstsalat für das Dessert vorzubereiten, der dann mit Vanillesoße serviert wurde.
Doch bevor gegessen werden konnte, versammelten sich alle Anwesenden zur Messe und anschließend zu einem kleinen Programm, das die Angestellten und wir mit den Jungen einstudiert hatten. Zu Beginn wurden zwei traditionelle, assamesische Tänze gezeigt, woraufhin die Kinder „If you happy and you know it“ sangen und Macarena tanzten. Für diese Leistung gab es vom Publikum großen Applaus und die Leistung der Kinder stellte unsere kleine Tanz-Performance um Längen in den Schatten. Unter angeregten Gesprächen ließen wir den Abend langsam und gemütlich ausklingen.

Das Garagentor

Pünktlich zum Fest wurde auch unser nächstes Projekt fertig, wir haben alle zusammen das Garagentor gestrichen. Nachdem wir den Anfang gemacht hatten und das Tor weiß grundiert hatten, lag die größte Schwierigkeit darin, dass alle Jungen gleichzeitig streichen wollten, aber nur zwei Pinsel zur Verfügung standen. Die Kinder durften nacheinander die einzelnen Flächen des vorgemalten Mandalas ausmalen, sodass am Ende ein großes, buntes Gesamtkunstwerk daraus entstand. Man merkte sehr schnell, welche Kinder eher fein- und welche eher grobmotorisch veranlagt sind, jedes von ihnen gab sich jedoch große Mühe. Im Endeffekt war es uns wichtiger, dass es ein Projekt von allen Kindern gemeinsam ist, als dass keine Linie übermalt und das Bild perfekt ist.

Basketballkörbe für Ila

Schon bei unserer Ankunft versprach Father Lukose uns, dass die Jungen BALD Basketballkörbe zum Spielen montiert bekämen… Jetzt, nach über einem Monat ist es endlich soweit und die Körbe stehen. Aber auch das war kein leichtes Unterfangen, denn sie wurden auf „indische Art“ montiert. Als vor vier Tagen die Handwerker das erste Mal nach Ila kamen, dachten wir, die Körbe seinen innerhalb von zwei bis drei Stunden montiert, aber so denken nur wir Deutsche. Schlussendlich brauchte es fünf Handwerker und vier Arbeitstage, bis die leicht rostigen Stangen mit den großen weißen Brettern daran in der Erde festzementiert waren. Nun wird es unsere Aufgabe sein, sie zu bemalen und mit der Farbe wetterfest zu machen.
Was man bei all der Verwunderung über die indische Arbeitsweise jedoch nicht vergessen darf, ist dass die Handwerker parallel zu den Basketballkörben auch noch an einem zweiten Projekt gearbeitet haben, von dem wir beim nächsten Mal berichten.

“Be the change that you wish to see in the world.” Ghandi

Die Zeit vergeht wie im Flug. Unterdessen sind wir schon einen Monat in Guwahati und auch wir haben uns hier gut eingelebt.

Die Kinder sind uns schon sehr ans Herz gewachsen, sodass wir uns die nächsten 5 Monate gut mit ihnen vorstellen können. In den letzten Wochen haben wir uns um den Garten gekümmert, nachdem wir gleich nach unserer Ankunft ein großes Potential in ihm entdeckten. So erschienen die alten, rostigen Klettergerüste, von denen der Lack schon allmählich abbröckelte, in neuem Glanz.

Außerdem war es an der Zeit ein gewisses Umweltbewusstsein einzuführen und so starteten wir eine große Aufräumaktion, mit EINER neuen Feuerstelle als Resultat.
Aber wir beschäftigten uns nicht nur mit den Kindern im Garten. Der Klavier- und Gitarrenunterricht ließ nämlich auch nicht länger auf sich warten. Die Kinder sind sehr musikbegeistert. Aber nicht nur sie lernen von uns, auch wir können viel aus ihrem Alltag mitnehmen. So lernten wir gestern beispielsweise, wie man selbst einen Besen herstellt.
Gerade sind wir dabei Pfannkuchen für die Kinder zu zaubern, sie freuen sich immer sehr über unsere süßen Überraschungen aus der Küche.

Veröffentlicht unter Jyoti

Erste Erfolge in Ila Snehalaya

Ila Snehalaya

Seit zwei Wochen leben wir jetzt gemeinsam mit 23 Kindern, zwei Schwestern und fünf festangestellten Staffmembers in Ila Snehalaya. Die Jungen hier sind zwischen sechs und 16 Jahren alt und lieben es zu spielen und zu toben, zu singen und zu tanzen. Wir wurden von allen sehr herzlich aufgenommen und fühlen uns nach zwei Wochen bereits pudel wohl. Die größte Umgewöhnung war für uns nach einem viertel Jahr ausschlafen das frühe Aufstehen, denn hier beginnt der Tag zwischen 6:45-7:00 Uhr mit dem morgendlichen Gebet bzw. der Messe. Es ist beeindruckend zu sehen, wie fein herausgeputzt und diszipliniert die Kinder schon am frühen Morgen dort sitzen und aus vollem Munde ihre Lieder und Gebete singen und beten.
Trotz der Tatsache, dass kaum einer der Jungen wirklich Englisch spricht und wir bis jetzt weder Hindi noch Assamies können, klappt die Verständigung erstaunlich gut, eine wichtige und positive Erfahrung für uns.

Das „Baumhaus“

Schon an dem Tag nach unserer Ankunft haben wir unser neues, weiträumiges Zuhause erkundet. Dabei stießen wir auf Bananenbäume, Palmen, zwei Fußballtore, einen kleinen Spielplatz und unter anderem auch auf eine große, ungenutzte Holzkiste. Sie sollte nach ein paar Handgriffen in ihrer neuen Funktion mehr Beachtung finden.
Unser Plan: ein Baumhaus für die Jungen
Somit standen wir vor der nächsten Hürde; woher bekommen wir Werkzeug und wie geben wir dem einzigen Mann auf dem Grundstück zu verstehen, dass WIR arbeiten und nicht nur delegieren möchten?
Nach und nach bekamen wir dann verschiedene hauseigene Werkzeuge, bis wir am Ende des Tages mit einem Hammer, zwei Zangen, einigen Nägeln und einer furchteinflößenden Axt unser Projekt angehen konnten.
Nach zwei Tagen und viel schweißtreibender Arbeit stand das Baumhaus einweihungsbereit an seinem Platz in einem Baum neben den Schaukeln. Die größten Probleme waren für uns die rostigen Nägel, die sich weder vernünftig aus dem Holz ziehen noch hineinschlagen ließen und das Gewicht der Kiste, das wir bei weitem unterschätzt hatten. Also brauchten wir doch die Unterstützung eines echten Mannes, um die Kiste in den Baum zu heben. In luftiger Höhe haben wir es dann noch mit Brettern, Kordel und Draht fixiert, damit es auch den wildesten Tobereien standhält.
Kaum waren wir fertig und hatten das Baumhaus freigegeben, da hingen schon die ersten Kletterwütigen im Baum und beäugten unsere Arbeit.
Nach Abschluss des ersten Projekts steht schon der Plan für unser nächstes und wir können es kaum erwarten, es in die Tat umzusetzen.