Jeder Tag ein Neuanfang

 

Die Zeit vergeht wie im Flug, schon wieder sind 2 Wochen vergangen. Auch in dieser Zeit haben wir viel erlebt und man weiß gar nicht, wo man anfangen soll.

Beginnen wir mal mit Halloween. Die Kinder fragten schon seit langer Zeit immer wieder nach dem „ Pumpkin-Feast“ und was wir denn für diesen Tag organisiert haben, ob es denn auch schön gruselig genug zugehen würde. Wir merkten, dass sie hohe Erwartungen hatten und so machten wir Pläne wie wir den Tag gestalten könnten. Leider sind wir immer etwas beschränkt, da erst um 3/ halb 4 alle aus der Schule wieder da sind und dann normalerweise erst Waschen und Saubermachen angesagt ist. Um 5 steht allerdings wieder Gebet auf dem Plan und danach wird bis zum Abendessen gelernt. Dann ist für die Kleineren auch schon wieder Schlafenszeit.

Also hatten wir von 4 bis 5 Uhr Zeit für Programm und so organisierten wir eine komplexe Schatzsuche durchs Haus und den Garten. Umrankt war diese von einer geheimnissvollen Geschichte über ein blühendes, buntes und reiches Land mit farbenfrohen Märkten, mit Gold, Silber und Juwelen, mit kostbaren Tüchern und einer reichen Kultur. Doch eines Tages überkam Dunkelheit das Land und die Fröhlichkeit wurde in eine Truhe gesperrt. Es existierten 2 Schatzkarten, aber das Böse hatte beide zerstückelt und im ganzen Land verteilt. Die Kinder waren nun die Auserwählten, diesen Schatz zu suchen, und nach langem Umherrennen, Aufgaben erfüllen, geschicktem Kombinieren, logischem Nachdenken und anschließendem Zusammenpuzzeln der Karte, fanden die Kinder den Schatz. Anschließend hatten wir noch eine leckere Stärkung zum Tee vorbereitet und für das Abendessen wurde der Essensraum mit ausgehöhlten Kürbissen, flackernden Kerzen und thematischem Dekoband dekoriert, dazu gab es eine gute selbstgemachte Kürbissuppe. Die Kinder freuten sich sehr und sind schon auf die nächste Geschichte gespannt.

Halloween erinnerte uns daran, dass auch schon bald Weihnachten vor der Tür steht. Da wir aber leider keinen Ofen zum Plätzchen backen haben, unsere mitgebrachten Ausstecher aber unbedingt ausprobieren wollten, beschlossen wir mit den „Vormittags-Kindern“ Salzteig zu machen. Diese „Plätzchen“ kann man dann nachher schön anmalen und am Weihnachtsbaum aufhängen. Gesagt, getan. Jedes Kind hatte eine Teigkugel vor sich, überall war Mehl, auf den Tischen, Bänken und Kindern, klassische Musik schepperte aus den Boxen des CD-Players, Sterne, Herzen, Schafe und Kühe wurden ausgestochen. Irgendwann fingen wir an Weihnachtslieder zu singen, sogar die Schwester stimmte mit ein. Wir hatten großen Spaß und erinnerten uns an unsere Kindheit mit Mehl im Gesicht und duftenden Plätzchen.

Unsere Kindheitserinnerungen sollten sich in den nächsten Tagen noch als nützlich erweisen. Als wir die Kinder morgens wie gewöhnlich zur Schule brachten, saß mitten auf der Straße eine Katze, ausgemergelt, verkrüppelt und nicht fähig sich fortzubewegen. Die Kinder waren besorgt, nahmen sie auf den Arm und wollten, dass wir sie mitnehmen. Kurzerhand nahmen wir also diese einsame kleine Katze mit, bauten ihr zuhause angekommen eine Holzhütte, nähten ihr eine grüne kleine Latzhose und gaben ihr den Namen Findus. Auch wenn die Katze vor ein paar Tagen von ihrer Mutter geholt wurde, war dies eine unglaublich tolle und besondere Erfahrung für die Kinder, sie mussten Verantwortung für etwas übernehmen, sich um ein kleines zerbrechliches Lebewesen kümmern und wir waren gerührt, wie die Kinder ihr eine stabile Steinhütte bauten, ein Kuscheltier für die Nacht reinlegten, sie mit Fisch fütterten und mit ihr spielten. Ein Mädchen sonderte sich beim sonntäglichen Fernsehschauen sogar von allen andern ab und nähte lieber liebevoll ein Kissen für die Katze, wir waren tief beeindruckt.

„Diwali“ erlebte die Katze allerdings bei uns noch mit und durfte wie wir das Feuerwerk, die Ausgelassenheit der Menschen, die bunten Lichter in den Straßen und an den Häusern und das Lichtermeer aus Kerzen bei uns im Garten und am Haus bewundern. Es war eine tolle Stimmung, alle Menschen waren auf den Straßen unterwegs, besuchten Tempel, ließen Feuerwerkskörper explodieren und bewunderten die Lichter. Sogar der Rotary-Club Guwahati kam vorbei, spielte mit den Kindern, brachte Süßigkeiten und Böller. Auch wenn wir 3 Nächte wegen des Feuerwerks nur schwer schlafen konnten, war es toll dieses große Fest der Hindus miterleben zu können.

Am Samstag haben wir es nun auch endlich mal geschafft einen Tag im Auxilium zu verbringen, dies ist ein Heim, was leider etwas schwer zu erreichen ist, wir brauchten ca 2 Stunden, bis wir da waren, aber wir hatten einen schönen Tag mit den Kindern. Leider gibt es vor Ort nicht genügend Platz, sodass wir dort für eine Zeit wohnen könnten, also müssen wir immer mal hinfahren und so mit den Kindern spielen. Wir mussten die Kinder ersteinmal richtig kennenlernen, haben kleine Spiele gespielt, gemalt, gesungen und getanzt. Außerdem haben wir mit den Schwestern viel über die Kinder und deren Schicksale gesprochen und alles dokumentiert, es ist erschreckend und schön zugleich. Erschreckend, was die Kinder teilweise erlebt haben, schön, dass sie hier gut aufgehoben sind.

Gestern haben wir mit den Kindern hier in Jyoti die rote Backsteinmauer, die das Grundstück umgibt, mit weißer Kreide angemalt. Das Ergebnis kann sich wirklich sehen lassen, die Kinder haben sich ausgetobt, Fantasiefiguren, Verziehrungen, Herzen, Tiere und vieles mehr gemalt, das Ganze wirkt sehr lebensfroh und Besucher werden nun von Monstern oder freundlichen Gesichtern angelacht.

Die Investition in die ganze Kreide, die wir dafür kauften, hat sich wirklich gelohnt, heute haben wir mit den kleinen Kindern auf dem Hof Zahlen geübt, das Praktische bei der Kreide ist, dass sie immer wieder abgeht, man also so viel üben kann wie man will und man immer Platz hat.

Jetzt sind wir gespannt, was die nächsten Wochen mit sich bringen werden.

 

Veröffentlicht unter Jyoti

Mit kleinen Sachen Kindern eine große Freude machen

Ein neues Klettergerüst für Ila

Die zweite „Baustelle“ der Schweißer in Ila war das neue Klettergerüst für die Kinder. Bereits Wochen zuvor hatten wir ein Gespräch mit einem der Arbeiter, bei dem uns Sister Annie als Übersetzerin assistiert hat und trotzdem waren wir uns bis zur letzten Sekunde nicht ganz sicher, ob das Endprodukt mit unserem Plan übereinstimmen würde. Aber nun steht das 2,5m x 2m x 2m große Spielgerät neben der Schaukel in unserem Garten. Im Anschluss lag es bei uns, den Rohbau kindergerecht zu gestalten. Mal wieder bewaffneten wir uns mit Farbe und Pinsel und legten los… Jetzt erstrahlt das Gerüst in vier verschiedenen Farben und mit Hilfe von Seilen, einem Reifen und Seemannsknoten vollendeten wir unser Werk. Allerdings gab es auch schon den ersten Unfall, eines unserer Kinder ist trotz mehrmaligem Warnen einer Schwester leichtsinnig vom Klettergerüst gesprungen und dabei unglücklich auf seinem Arm gelandet, der nun gebrochen ist. Jedoch wird der Junge für seinen Gips von den anderen beneidet und als Held gefeiert.

Familienzuwachs

Auch sonst wird es bei uns nie langweilig, eines Abends kamen Sister Annie und ein paar der Jungen vom Rosenkranzbeten bei einer benachbarten Familie zurück und wir trauten unseren Augen kaum, als wir sahen, dass ein Junge ein relativ großes Lebewesen in seinen Armen trug. Seitdem lebt Ruby, ein kniehoher, braun-schwarzer Hund, bei uns. Es war nicht ganz einfach, die Spielregeln für und mit dem Hund umzusetzen, da die Kinder es nicht gewohnt sind, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen, und  Hunde eigentlich nicht als Haustiere sondern nur als Straßenköter kennen. Mittlerweile klappt das Zusammenleben aber schon richtig gut und es ist schön zu sehen, wie einige der Kinder im Umgang mit Ruby aufblühen und bisher unbekannte Seiten zeigen.
Neben Ruby sind auch noch zwei Hühner bei uns eingezogen, die unseren Plan, Kaninchen anzuschaffen, durchkreuzt haben, da sie nun im Hasenstall wohnen, den wir hühnergerecht umfunktioniert haben. Der Rohbau stand schon bei unserer Ankunft, allerdings musste das Netz erneuert, einige Bretter erneuert und der Käfig grundgereinigt werden. Trotz anfänglicher Bedenken leben Hund und Hühner friedlich miteinander auf dem Gelände von Ila Snehalaya.