Pakete da!

01 Pakete öffnen DhirenparaDie Hoffnung stirbt zuletzt …

Dieses Sprichwort hat sich wieder einmal bewahrheitet.

Nach 7 Wochen des Hoffen und Bangens sind die Pakete mit der Tischtennis-Ausrüstung doch noch in Guwahati angekommen. Eigentlich hätte der Versand 2 Wochen dauern sollen, doch die Pakete hingen in Bombay und später in Kalkutta beim Zoll fest. Ein Paket wurde problemlos nach Paltan Bazar geliefert. Das andere muss ich mit einem Rupesh bei der Postzentrale abholen. Es war aber eine lustige Aktion auf dem Motorrad mit dem Paket unterm Arm durch die vollen Gassen Guwahatis zu heizen. Letztendlich ist alles gut gegangen – nur 3 Schläger haben diese Odysee leider nicht überlebt…

Im Dhirenpara:

Im Dhirenpara wusste noch niemand etwas von den Paketen, vor allem die Kinder haben keinen blassen Schimmer als ich plötzlich mit den Paketen über den Hof spaziere.Am nächsten Tag scharen sich die Kinder um die Tisch, auf dem die Pakete stehen. Unter ohrenbetäubenden Gegröhle und Gesang öffnet Bijoy die Pakete und die Kindern freuen sich sehr. Sich schlagen sich fast um die Schläger. Ich habe Mühe etwas Ordnung in die nachfolgende Schlägerverteilung zu bekommen. Jedes Kind bekommt hier im Dhirenpara einen eigenen, persönlichen Schläger. Die Kinder sind sehr glücklich darüber und auch stolz einen eigenen Schläger zu besitzen. Als Anreiz dafür, dass die Kinder die Schläger gut pflegen und vor allem nicht verkaufen, habe ich einen Preis für denjenigen ausgelobt, der am besten auf seinen Schläger aufpasst. Auch das Schläger putzen habe ich den Kindern erklärt. Sie haben recht interessiert zugehört. Ich habe den Kindern dann noch etwas über meinen Verein erzählt und wie ich dort die Schläger esammelt  habe. Danach haben wir noch stundenlang mit den neuen Schläger gespielt, das Training macht nun auch viel mehr Spaß – das Netzist ja auch neu. Die übrigen gespendeten Sachen, wie Schlägertaschen oder T-Shirts werde ich übrigens in Tischtennisturnieren erspielen lassen. Die Kinder freuen sich schon darauf. Alles in allem war es ein sehr schöner Tag für die Kinder und auch für mich und die TT-Abteilung des SV Darmstadt 98.

Im Paltan Bazar:

Im zweiten Heim – Paltan Bazar – wo ich auch schon immer montags und freitags Tischtennisunterricht mache, habe ich dann die übrigens 20 Schläger und ein Netz verteilt. Die Jungs hier haben sich auch riesig über diese Überraschung gefreut. Das Training hat durch die neuen Schläger nochmals deutlich an Niveau gewonnen. Hier werde ich die Schläger allerdings nur während den Trainingszeiten zur Verfügung stellen, die Schläger sonst vermutlich sehr schnell kaputt gehen würden. Das wäre schade.

Die Jungs hier finden die neuen Schläger echt cool und haben erzählen mir oft, wie viel Spaß das Spielen jetzt macht. So soll es schließlich sein…

 

 

A Paradise Impalpable

Ila SnehalayaNun heißt es nach fünf Monaten in Ila Snehalaya auch für mich Abschied nehmen und es fällt mir sehr schwer. Das ganze Heimteam und vor allem die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aus diesem Grund habe ich versucht, die letzten Tage und Wochen mit den Kindern nochmal so richtig auszukosten und angefangene bzw. geplante Projekte fertigzustellen.
Pünktlich zu meiner kleinen Abschiedsfeier in der vergangenen Woche habe ich es endlich geschafft, das Eingangstor zu streichen. Jeder einzelne Schritt wurde dabei von den Jungs immer genau überwacht, wenn sie aus der Schule kamen. So waren sie am ersten Nachmittag ziemlich enttäuscht, dass man die Bleistiftstriche von Weitem ja gar nicht sehen könne, aber die Begeisterung steigerte sich glücklicherweise von Tag zu Tag, bis sich am Ende alle einig waren, dass jetzt jeder sehen könne, mit wem er es hier zu tun habe.
Neben dem Torstreichen war ich allerdings noch mit reichlich anderen Vorbereitungen bezüglich des Spielenachmittags mit den Jungen beschäftigt, so habe ich einen anderen Vormittag in der Küche damit zugebracht „German biscuits“ zu backen, die sich zum Afternoon tea sowohl die Kinder als auch die Schwestern und Staffmembers schmecken ließen. Im Anschluss spielten wir Partyspiele wie Topfschlagen und Eierlaufen. Obwohl die Kinder beim Topfschlagen anfangs nicht ganz verstanden, was sie zu tun hatten, begriffen sie den Sinn des Spieles ziemlich schnell und stellten zusätzlich noch eigene Regeln auf. Die Gruppe der Umstehenden teilte sich in zwei Teams, die einen versuchten, die „Topfschläger“ durch Brüllen zum Ziel zu führen, und die anderen versuchten, sie vom Ziel abzuhalten.
Nachdem die Outdoor-Aktivitäten abgeschlossen waren, fanden wir uns alle im Studyroom zusammen, wo jeder Junge sich seinen eigenen Anstecker basteln durfte. Das war das erste Mal in den fünf Monaten, dass ich hier so etwas wie Stillarbeit erlebt habe, aber nicht weil die Jungs ruhig arbeiten wollten, sondern weil ihre Stimmen von der ganzen Schreierei heiser waren. Wir beendeten den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen – Spaghetti mit Tomatensoße, ein gefundenes Fressen für die kleinen Inder, die mit ihren Händen ja so gerne im Essen rummanschen.
Als ich gestern dann in meinem Zimmer stand und die ganzen Sachen ausgemistet habe, die sich über den Zeitraum hier so angesammelt haben, stand plötzlich eines der Kinder in der Tür und fragte „Feli, you going? Germany going?“ und als ich bejahte, sagte er mit Tränen in den Augen „No going Feli.“
Grade jetzt in den letzten Tagen musste ich häufig an einen Ausdruck denken, mit dem der Provinzial V.M.Thomas vor ein paar Wochen den Nordosten Indiens beschrieben hat, a Paradise Impalpable (ein nicht greifbares Paradies) und genau das ist zumindest Snehalaya in den vergangenen fünf Monaten für mich gewesen. Ein Ort, an dem ich mich heimisch und geborgen fühlen durfte, wo mir geholfen und ich mit einem Lächeln empfangen wurde. Natürlich war es nicht immer einfach mit den Kindern und Schwestern, aber rückblickend lässt sich sagen, dass jeder Stolperstein der Grundstein für eine neue Erfahrung wurde.

Der Alltag

In der Vergangenheit wurde in diesem Blog viel über “besondere”, nicht alltägliche Ereignisse geschrieben.

Nun wird es Zeit, dass wir hier auch ein wenig von unserem Alltag berichten. Wie nachfolgend beschrieben, sollte ein normaler Tag von uns im Dhirenpara ablaufen:

7:00 Aufstehen

7:20 Morgengebet

7:45 Frühstück

8:15 Die Kinder gehen zur Schule – Nun haben wir Zeit um Wäsche zu waschen, zu putzen, Einkäufe zu erledigen, die Projekte zu besprechen und ggf. neue zu planen. Dazu kommt Tagebuch, Blogposts und Berichte schreiben und was sonst noch anfällt. Darüber hinaus geben wir montags und freitags in Paltan Bazar Tischtennis-Training. Dort machen wir dann oft auch von der Möglichkeit Gebrauch, das dort vorhandene Internet zu nutzen.

13:00 Mittagessen

14:00 Die Kinder kommen aus der Schule zurück – Nach einem kurzen Mittagessen für die Kinder, geht’s dann auch direkt ans gemeinsame Spielen. Cricket, sowie Brett- und Kartenspiele stehen dabei besonders hoch im Kurs. Besonders beim Cricket können wir noch so einiges von den Kindern lernen.

16:00 Sportprogramm – Nachdem die größte Mittagshitze zu verschwinden beginnt, bieten wir Sporttraining an. Dazu gehören (je nach Tag) Tischtennis, Karate und Ballsportarten, vor allem Fußball.

17:30 Studytime – Die Kinder begeben sich, nach Klassenstufe in 3 Gruppen aufgeteilt, in die drei Studyhalls. Dort werden gemeinsam Hausaufgaben erledig und gelernt. Wir können dabei vor allem in den Bereichen Mathematik und englische Aussprache auch recht gut helfen, auch wenn das Hauptproblem für den Englischunterricht vor allem bei Vokabeln und Textverständnis liegt.

19:20 Abendgebet

19:45 Abendessen

21:00/21:30 Bettruhe – Im Anschluss an das gemeinsame Fernsehen nach dem Abendessen, gehen die Kinder dann schlafen. Die Jüngeren etwas früher, die älteren dürfen eine halbe Stunde länger auf bleiben. Auch wir sind dann meistens so müde, dass wir auch zügig ins Bett gehen.

Das Wochenende unterscheidet sich eigentlich nur durch 3 Dinge: Samstags kommen die Kinder früher aus der Schule zurück und die Studytime fällt weg. Sonntags findet keine Schule statt. Dafür wird, entweder morgens oder abends, ein Gottesdienst abgehalten.

Dieser Tagesablauf mag sich vielleicht furchtbar strukturiert und durchgeplant anhören. Da es aber nur wenige Tag gibt, die 1:1 wie beschrieben ablaufen, bleibt uns immer ein großes Stück Spontanität und Abwechslung erhalten.

Kokosnuss zum Frühstück

KokosmilchverzehrSchöne Palmen zieren den Hof des Dhirenpara. Und diese Palmen tragen Früchte: Große gelbe Kokosnüsse. Gestern Abend wurde eine der Palmen von ihrer Last befreit und die Kokosnüsse unter großem Aufwand heruntergeholt. Heute vor dem Frühstück wurden sie dann an die Kinder verteilt und auch gleich angebrochen. Die schmackhafte Milch wurde mit Hilfe von Strohalmen getrunken, anschließend wurde die Nuss ganz aufgebrochen und das Fruchtfleisch verzehrt. Ein Genuss für die Kinder, genauso wie für uns.
Wertvoll war die Ernte auch in pädagogischer Hinsicht. Es war nämlich erst die 2. erfolgreiche Ernte, obwohl es die Palmen schon eine ganze Weile gibt.
Der Grund dafür: Bisher wurden die Kokosnüsse immer schon “geerntet” bevor sie auch nur annähernd reif waren. Einfach nur, weil es halt Spaß macht. Jetzt scheinen die Kinder erkannt zu haben, dass man mit ein wenig Geduld manchmal ein deutlich besseres und befriedigenderes Ergebnis erzielen kann.
Gut Ding will eben Weile haben.