Karate-Training

Partnerübung IIIn den vergangenen gut drei Monaten habe ich im Dhirenpara immer wieder, oft mehrmals wöchentlich, Karate-Training gehalten. Einige Male auch im Ila.

Der erste Teil des Trainings bestand meist aus lockerem Aufwärmen und Technik-Training. Ohne ein Grundwissen geht es selbstverständlich nicht. Die neuen, teilweise ungewohnten Bewegungen kennen zu lernen ist ja auch spannend.

Um diese aber festigen zu können und es erst richtig interessant zu machen, ging es schnell über zum Training mit einem Partner. Hier können nun die erlernten Techniken in kampfähnlicher Situation erprobt und verbessert werden. So manch einem wurde erst in dieser Situation klar, wozu die Bewegung gut sein sollte. Die Erklärung mit Worten funktioniert nämlich nicht so gut. Zu schlecht sind die Englischkenntnisse, vor allem der jüngeren. Viel effektiver ist es da, haptische Anleitung zu geben, den Arm mitzuführen und die Kinder am Partner praktische Erfahrungen sammeln zu lassen, wie etwas am besten (oder überhaupt) funktioniert.

Wer Karate hört, der denkt vermutlich als erstes an kämpfen. Genauso ist das bei den Kindern natürlich auch. Die Partnerübung ist zwar an einem Kampf schon nahe dran, aber eben nur nahe. Die Anschaffung von Faustschützern hat in diesem Punkt Abhilfe geschaffen. An Kampfgeist fehlt es den Kindern ganz und gar nicht. Mit hoher Motivation stürzten sie sich in den Kampf. Oft mussten sie zurückgehalten werden, damit noch ein fairer Kampf um Punkte gewährleistet werden konnte, oft fiel die Anwendung der gelernten Techniken und Kombinationen im Eifer schwer. Außerdem mussten neben der Technik auch etwas Disziplin und ein paar Grundregeln gelernt werden. Zum Beispiel, dass ein Kampf nur nach beidseitigem Einverständnis stattfinden kann. Außerdem, was vermutlich am schwierigsten war, dass nach einem erzielten Punkt der Kampf unterbrochen und von neuem begonnen wird. Das Training soll schließlich mit dem Partner stattfinden und nicht gegen ihn, und im Kampf sollen Punkte errungen werden und dem Gegner nicht der größtmögliche Schmerz zugefügt werden.

Neben all den Lerneffekten bleibt natürlich das Wichtigste: Das Kämpfen macht den Jungs Spaß. Hier konnte ein Kampf unter geregelten, fairen Bedingungen stattfinden und vor allem ohne das jemand verletzt wird oder am Ende weint. Hauptsache alle haben Freude.

Wandmalerei

WandmalereiNachdem wir uns viel mit sportlichen Aktivitäten auseinandergesetzt haben, lag der Fokus diese Woche auf der Verschönerung des Heims. Die Mauern, die den Hof eingrenzen, wurden neu gestaltet.

Bevor wir allerdings anfangen konnten, musste die Wand erst einmal von anhaftendem Staub, Dreck und Moos befreit werden. Eine Aufgabe, die die Kinder mit feuereifer angingen. Der Schmutz rieselte förmlich nur so von der Wand.
Mit frisch angerührter weißer Farbe ging es nun den fast trostlosen kahlen Ziegelsteinwänden an den Kragen. Mit Schuhbürsten ähnelnden “Pinseln” trugen die Kinder die Farbe auf die Wände auf. Schnell verschwand das Rot der Ziegelsteine unter einer weißen Schicht. Dennoch dauerte es zwei Nachmittage bis die gesamte Farbe verbraucht und die gesamte Fläche der beiden Wände weiß war.

Weiße Wände waren schonmal besser als vorher, aber um einladen zu wirken musste noch etwas Farbe ins Spiel gebracht werden.
Und so entstand am dritten Tag der Schriftzug “Snehalaya” in bunten Buchstaben auf einer der beiden Wände.
Für die zweite Wand war eine individuellere Gestaltung vorgesehen: Die übrige bunte Farbe durften die Kinder dazu nutzen Handabdrücke auf der Wand zu hinterlassen. Und der Wand dadurch sozusagen ihren persönlichen Stempel aufdrücken.
Die bunte Farbe direkt mit den Händen direkt auf die Wand aufzutragen hat den Kindern am allermeisten Spaß bereitet. Wer will es ihnen verdenken? Wann darf man schonmal seine Hände in einem Eimer Farbe völlig versenken? Natürlich haben auch wir uns das nicht entgehen lassen.

Auch das Klettergerüst und die Mini-Tore blieben von der Verschönerungsoffensive nicht verschont. Beides wurde mit roter und gelber Farben neu angestrichen.
Damit erstrahlt der Innenhof des Dhirenpara nun in neuem Glanz.

Holi

Gruppenbild HoliDie letzten beiden Tage waren zwei besondere Tage für uns. Hier in Indien wurde Holi gefeiert.

Bei diesem hinduistischen Fest wird entweder der Sieg über einen bösen Gott oder der Frühlingsanfang gefeiert (je nach Interpretation vielleicht auch beides gleichzeitig).
Was gefeiert wird scheint auch nicht für alle Leute immer das Wichtigste zu sein. Wichtig ist, dass Holi das Fest der Farben ist. Die Menschen schmieren sich gegenseitig Farbpulver in allen Farben des Regenbogens ins Gesicht. Ein wirklich lustiger Brauch.

Selbstverständlich bleiben auch die Bewohner des Snehalaya Dhirenpara nicht unberührt von diesem zweitägigen Fest. Am Nachmittag des ersten Tags sind wir mit einigen Jungs auf die Straße gegangen und sind prompt von anderen Leuten angeschmiert worden. Wir haben Farbe bei einem der Straßenständen gekauft und sehr bald entbrannte eine Art Schneeballschlacht mit Farbe. Weniger mit werfen, mehr mit einseifen. Alle haben sich köstlich amüsiert und waren am Ende sehr bunt.
Anschließend wurde im Innenhof noch getanzt und nacheinander bekam jeder einen Eimer Wasser ab. Das gründliche Waschen am Ende wurde dadurch aber niemandem erspart.

Am zweiten Tag hat Father Augustine nocheinmal Farbe gekauft. Die wilde Farbschlacht fand diesmal direkt im Innenhof statt. Und auch direkt mit viel Wasser, größtenteils mit eingefärbtem. Am Ende standen im Innehof viele Pfützen aus buntem Wasser.

Ein wirklich großartiges Fest und Brauch. Vor allem die Kinder haben eine Menge Spaß daran.

Malwettbewerb

MalwettbewerbIm Januar wurden wir von Herr Bayer in Guwahati besucht. Er ist Journalist und gestaltet das Primax Kindermagazin. Im April wird dort ein Artikel über die Straßenkinder in Guwahati, die Snehalaya-Heime und uns Volunteers erscheinen. Anlässlich dieses Artikel wird auch ein Malwettbewerb stattfinden. Kinder aus Deutschland, die das Primax-Magazin lesen, sollen dazu Bilder an die Redaktion schicken.

Passend dazu haben wir hier gemeinsam mit Sandra Hörbelt und Sybille Bach ebenfalls einen Malwettbewerb durchgeführt. Dieser fand in den Heimen Dhirenpara, Beltola, Ila und Auxilium statt. Die Bilder werden von Sandra mit nach Deutschland genommen und dort mit den Einsendungen der deutschen Kinder verglichen. Daraus wird dann Siegerbilder gekührt.

Das Motto der Bilder war: Dein schönstes Erlebnis.
Gemalt wurde mit eigens von Felix und mir dafür gekauften Utensilien. Neben den Bunt- und Wachsmalstiften, waren vor allem Wassermalfarben und Ölpastel-Farben die wichtigsten Werkzeuge. Zusätzlich gab es im Dhirenpara noch Scheren und Klebstifte in Kombination mit bunten Magazinen. So hielten Collagen-Elemente Einzug in die Bilder.
Vor allem an den Wasserfarben hatten die Kinder sehr viel Spaß. Eine bunte Angelegenheit also. Sehr überraschend war, mit wie viel Konzentration und Hingabe die Kinder sich ans Zeichnen und Malen machten – in allen Heimen, unabhängig vom Alter der Kinder. Auch die behinderten Kinder beteiligten sich und haben schöne, bunte Bilder gemalt.
Auf Grund ihres großen Maleifers und der bunten Farben verloren manche Kinder ein wenig das Motto aus den Augen oder interpretierten es sehr persönlich. Am Ende sammelten wir jedoch jede Menge bunter und sehr kreativer Bilder ein. Viel Spaß hat es auch gemacht. Ein voller Erfolg also.

Der Alltag

In der Vergangenheit wurde in diesem Blog viel über “besondere”, nicht alltägliche Ereignisse geschrieben.

Nun wird es Zeit, dass wir hier auch ein wenig von unserem Alltag berichten. Wie nachfolgend beschrieben, sollte ein normaler Tag von uns im Dhirenpara ablaufen:

7:00 Aufstehen

7:20 Morgengebet

7:45 Frühstück

8:15 Die Kinder gehen zur Schule – Nun haben wir Zeit um Wäsche zu waschen, zu putzen, Einkäufe zu erledigen, die Projekte zu besprechen und ggf. neue zu planen. Dazu kommt Tagebuch, Blogposts und Berichte schreiben und was sonst noch anfällt. Darüber hinaus geben wir montags und freitags in Paltan Bazar Tischtennis-Training. Dort machen wir dann oft auch von der Möglichkeit Gebrauch, das dort vorhandene Internet zu nutzen.

13:00 Mittagessen

14:00 Die Kinder kommen aus der Schule zurück – Nach einem kurzen Mittagessen für die Kinder, geht’s dann auch direkt ans gemeinsame Spielen. Cricket, sowie Brett- und Kartenspiele stehen dabei besonders hoch im Kurs. Besonders beim Cricket können wir noch so einiges von den Kindern lernen.

16:00 Sportprogramm – Nachdem die größte Mittagshitze zu verschwinden beginnt, bieten wir Sporttraining an. Dazu gehören (je nach Tag) Tischtennis, Karate und Ballsportarten, vor allem Fußball.

17:30 Studytime – Die Kinder begeben sich, nach Klassenstufe in 3 Gruppen aufgeteilt, in die drei Studyhalls. Dort werden gemeinsam Hausaufgaben erledig und gelernt. Wir können dabei vor allem in den Bereichen Mathematik und englische Aussprache auch recht gut helfen, auch wenn das Hauptproblem für den Englischunterricht vor allem bei Vokabeln und Textverständnis liegt.

19:20 Abendgebet

19:45 Abendessen

21:00/21:30 Bettruhe – Im Anschluss an das gemeinsame Fernsehen nach dem Abendessen, gehen die Kinder dann schlafen. Die Jüngeren etwas früher, die älteren dürfen eine halbe Stunde länger auf bleiben. Auch wir sind dann meistens so müde, dass wir auch zügig ins Bett gehen.

Das Wochenende unterscheidet sich eigentlich nur durch 3 Dinge: Samstags kommen die Kinder früher aus der Schule zurück und die Studytime fällt weg. Sonntags findet keine Schule statt. Dafür wird, entweder morgens oder abends, ein Gottesdienst abgehalten.

Dieser Tagesablauf mag sich vielleicht furchtbar strukturiert und durchgeplant anhören. Da es aber nur wenige Tag gibt, die 1:1 wie beschrieben ablaufen, bleibt uns immer ein großes Stück Spontanität und Abwechslung erhalten.

Kokosnuss zum Frühstück

KokosmilchverzehrSchöne Palmen zieren den Hof des Dhirenpara. Und diese Palmen tragen Früchte: Große gelbe Kokosnüsse. Gestern Abend wurde eine der Palmen von ihrer Last befreit und die Kokosnüsse unter großem Aufwand heruntergeholt. Heute vor dem Frühstück wurden sie dann an die Kinder verteilt und auch gleich angebrochen. Die schmackhafte Milch wurde mit Hilfe von Strohalmen getrunken, anschließend wurde die Nuss ganz aufgebrochen und das Fruchtfleisch verzehrt. Ein Genuss für die Kinder, genauso wie für uns.
Wertvoll war die Ernte auch in pädagogischer Hinsicht. Es war nämlich erst die 2. erfolgreiche Ernte, obwohl es die Palmen schon eine ganze Weile gibt.
Der Grund dafür: Bisher wurden die Kokosnüsse immer schon “geerntet” bevor sie auch nur annähernd reif waren. Einfach nur, weil es halt Spaß macht. Jetzt scheinen die Kinder erkannt zu haben, dass man mit ein wenig Geduld manchmal ein deutlich besseres und befriedigenderes Ergebnis erzielen kann.
Gut Ding will eben Weile haben.

Erste Tage in Guwahati

Ankunft

Vier Tage ist es nun her, dass wir uns am Frankfurter Flughafen von unseren Familien und Freunden verabschiedet haben und ins Flugzeug in Richtung Guwahati gestiegen sind. Wir, das sind Matthias Geiger, Karen Stock, Teresa Fachinger, Lea Treeter, Felicitas Muth, Felix Andelfinger und ich (Benedikt Hemmer).
Nach 2-maligem Umsteigen in München und Delhi, wo Astrid Kühne von Accenture unsere Gruppe vervollständigte, trafen wir am Mittag des 16.9. in Guwahati ein.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Heim Ila wurden wir auf 3 Heime verteilt, in denen wir von nun an, für unsere Zeit in Guwahati leben werden. Lea und Felicitas blieben in Ila, Karen, Teresa und Astrid setzten wir in Jyoti ab und fuhren selbst weiter nach Paltan Bazar, wo Matthias, Felix und ich leben sollten.

Erste Eindrücke

Allein an diesem ersten Tag wurden wir mit Eindrücke überflutet: Heißes feuchtes Klima, lauter und chaotischer Verkehr, bunte Farben, Häuser aus Wellblech und Planen, Unmengen an Müll und Dreckwasser, frei lebende Tiere, laute Musik und sich rasant abwechselnde Gerüche (Abwasser, Müll, Blumen, Gewürze und Speisen).

Die Einführungstage

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir damit, die Arbeit vor Ort genauer kennenzulernen.
Die Organisation Snehalaya unterhält in Guwahati 5 Heime:

  • Dhirenpara (Jungen)
  • Jyoti (Mädchen & kleine Jungen)
  • Ila (Mädchen & kleine Jungen)
  • Auxilium (Mädchen & kleine Jungen)
  • Paltan Bazar (ältere Jungen, sowie “Drop-in-center” für neu von der Straße geholte Kinder)

Dazu kommen Day-Care-Center, in denen Kinder betreut werden, deren Eltern diese sonst alleine zu Hause lassen müssten.

Die zu Grunde liegende Idee besteht darin, die körperliche und seelische Verwundbarkeit der Kinder zu verringern, betont Rajiv immer wieder. Dazu werden die meisten Kinder am Bahnhof aufgesammelt. Dort kommen sie einsam und schutzlos aus allen Richtungen an.
Sie kommen zunächst ins Heim Paltan Bazar, es wird versucht ihre Familie ausfindig zu machen und wenn dies nicht gelingt und sie nicht wieder fortlaufen, kommen sie in eines der anderen Heime.

Natürlich sprachen wir nicht nur darüber, sondern besuchten die Orte auch gleich:
Den Bahnhof mit den direkt an den Gleisen errichteten “Unterkünften” aus Planen, Blech und anderem Müll, ein Day-Care-Center mit ruhig schlafenden, spielenden und fröhlichen Kindern und natürlich die Heime. In den Einrichtungen, in die wir kamen, freuten sich die Kinder riesig über uns. Umso mehr, je mehr wir mit ihnen spielten. Gute Aussichten auf die Zukunft also…