Das Lächeln was du aussendest, kehrt stets zu dir zurück

Nun ist er wirklich da, der letzte Tag in Guwahati, der Tag des Aufbruches. Dieses indische Sprichwort begleitete uns von unserem Aufbruch in Deutschland, über die Zeit, die wir hier im Heim mit den Kindern verbringen durften, bis jetzt zum Schluss, wo wir mit einem lachenden und einem weinenden Auge sagen können, dass er sich voll und ganz bewahrheitet hat. Das Piratenschiff ist vollendet und am Sonntag wurden erstmals die Segel gesetzt. Unsere kleinen Piraten, die schon gar nicht mehr so klein sind, begaben sich auf eine lange und gefährliche Reise, wo sie schweren Prüfungen ausgesetzt waren. Bevor die gefährliche Reise aber losgehen konnte, wurde zunächst das Schiff durch farbenfrohes Schmücken fürs Entern bereit gemacht. Die Jungs, die vor 2 Wochen unser Heim durch Umstrukturierungen verlassen mussten, wurden anlässlich dieser Piraten-/ Abschiedsfeier alle wieder eingeladen. Die Freude war groß. Die Kinder freuten sich sehr wieder vereint zu sein. Schon Tage zuvor,  war von Nichts anderem mehr die Rede.Um nur ein Beispiel zu bringen: Ein Mädchen nahm ihr ganzes Erspartes, was sie einen Tag zuvor beim Besuch ihrer Mutter geschenkt bekommen hatte, und kaufte den Jungs davon Schokolade. Bevor die Reise aber richtig losgehen konnte, mussten sich die Kinder äußerlich dem Piraten anpassen. So konnte sich jeder seinen eigenen Piratenhut basteln und gestalten. Nachdem sie ihre Stärke und ihren Mut beweisen konnten, begaben sich die Kinder auf die Suche nach dem verborgenen Schatz. Leider wurde dieser unmittelbar nach dem Startschuss gefunden. Ob jung oder alt, alle freuten sich über das verteilte Playmobil und den selbstgebackenen Kuchen. Unsere Köchin freute sich sogar so sehr über die Tiere, dass sie uns heute noch nach mehr bittet. Während wir in der Küche Piratenessen vorbereiteten, fürchteten sich die Kinder vor Captain Jack Sparrow. Da die Nacht auch schon hereingebrochen war, mussten wir nach dem Abendessen auch Abschied voneinander nehmen.

Es war schön noch mal alle Kinder beieinander gehabt zu haben und der guten Stimmung nach, schien es den Kindern gefallen zu haben.Feli war uns an diesem Tag eine sehr große Hilfe und hier auch noch mal ein großes Dankeschön! Generell lässt sich abschließend sagen, dass die Zeit uns Freiwillige zusammengeschweißt hat. So merkten wir schnell, dass man mehr erreicht, wenn man zusammen an etwas arbeitet.

Der normalerweise allabendlich stattfindende Rosenkranzgottesdienst wurde gestern durch ein etwas anderes Gebet ersetzt. Wir versammelten uns alle in der Hauskapelle und neben Liedern, hatte jeder die Möglichkeit ein persönliches Gebet vor Gott zu bringen. Auch wenn wir nicht alles, außer unsere Namen und andere Bruchstücke verstehen konnten, rührte es uns sehr, wer uns alles gedankt und für uns gebetet hat. Nicht nur wir hatten Tränen in den Augen, auch die Kinder, die Nonnen und die Lehrerin, mit denen wir gemeinsam die letzten Monate verbracht haben. Über die Zeit wurde aus einem sozialen Praktikum vielmehr das alltägliche Leben einer liebevollen Gemeinschaft, einer Familie. Nach dem Abschlusssegen gab es für die Tränen kein Halten mehr. Es ist ein komisches Gefühl in unserem leer geräumten Zimmer zu sitzen.

Aber: Das Lächeln was du aussendest, kehrt stets zu dir zurück.

P1100870 P1100842 P1100839

Veröffentlicht unter Jyoti

Aufbruchsstimmung

Snehalaya Tag

Der alljährliche Snehalaya Tag liegt jetzt schon wieder knapp eine halbe Woche zurück. Seit Wochen schon war von Nichts anderem mehr die Rede, als von dem großen Senahalaya Tag, der bald anstehen würde. Nicht nur jedes Heim, sondern auch wir 6 Freiwilligen studierten extra für diesen Tag eine Performance ein. So entstand eine kunterbunte Mischung aus Vorführungen, von Tanz und Schauspiel bis zu einer kleinen Akrobatikvorführung. Der ganze Tag stand unter dem Motto „Zweite Chance“. Dabei thematisierten die Kinder alltägliche Themen, wie das Leben auf der Straße. Sie stellten außerdem schauspielerisch die Bibelgeschichte von der Steinigung dar und brachten den Zuschauern die Geschichte Assams etwas näher, indem sie seine Tänze und Lieder präsentierten. Es wurde eine riesige Halle in der Stadt gemietet, damit auch jeder der rund 300 Gäste seinen Platz findet. Anders als bei den bisherigen Veranstaltungen waren es dieses Mal wirklich die Kinder, die im Mittelpunkt des Geschehens standen. Die aufwändigen Vorbereitungen hatten sich eindeutig gelohnt.

Schiff in Seenot

Unser Piratenschiff nimmt allmählich Form an, auch wenn es noch nicht jeder auf den ersten Blick erkennen mag. So wurden wir heute für unser schönes neues Gartenhäuschen gelobt. Die Ferien der Kinder haben sich eindeutig bewährt. Trotz den Vorbereitungen für den Snehalaya Tag blieb unser Piratenschiff nicht außer Acht. Dennoch: das Grundgerüst steht und seit heute ist der 1. Stock frei gegeben. Was anfangs noch sehr wacklig war, wird nun von Tag zu Tag immer stabiler, sodass es nur noch ein halb so großes Abenteuer ist sich im ersten Stock aufzuhalten. Nun wird es nicht mehr lange dauern bis die Segel gesetzt werden können.P1100829

P1100831

 

Picknick im Freien

Bevor etwa die Hälfte der Kinder durch eine Umstrukturierung Snehalayas unser Heim verlassen muss, lud unsere Köchin Beronica die ganze Mannschaft zu sich nach Hause ein. Aufgrund nicht strapazierbarer Blasen und einer hohen Anfälligkeit der Seekrankheit kamen wir nach einigen Stunden der Verzögerung im nur 250 km entfernten Heimatdorf an. Ein Dorf was hauptsächlich vom Teeanbau lebt, von einem Wechselbild aus Reisfeldern und Kokos-/Bananenhainen umgeben ist und nun sogar schon seit einem Monat ein eigenes Polizeirevier besitzt. Das Leben auf dem Land stellte für die Kinder eine fabelhafte Abwechslung zum grauen Leben in der Stadt dar. Nicht nur das Lagerfeuer, auch das Schlafen im Stroh und das Ernten der Früchte war eine große Freude. Wir wurden sehr herzlich willkommen geheißen von den rund 100 Verwandten, sodass die Vorstellungsrunde kein Ende zu nehmen schien. Das ganze Dorf war in unseren Aufenthalt involviert. Nicht nur für sie war es eine Ehre uns aufzunehmen, auch wir fühlten uns durch die große Gastfreundlichkeit sehr geehrt. Es war eine tolle Erfahrung einen so direkten Einblick in ein assamesisches Dorf zu bekommen, das dörfliche Leben so hautnah mitzuerleben. So gab es Feuerstellen im Garten über denen gekocht wurde, Lehmhütten, Plumsklos, und eine Pumpe statt warmem, fließendem Wasser. Bei der Frage, welches Leben das Bessere sei, das Leben in der Stadt oder das auf dem Land, waren sich alle Kinder einig: das auf dem Land.

 

P1100774P1100779  P1100820

 

Kurztrip nach Shillong

Die vergangenen Tage hatten wir die Möglichkeit Indien aus einer völlig neuen Perspektive kennenzulernen. Letzten Donnerstag kamen wir nach 94 km, um 120 Rupien leichter und mit einer unfassbar leckeren Ananas im Bauch in Shillong an. Dort wurden wir vier Freiwilligen von zwei Studenten der Don Bosco Universität Guwahatis empfangen, die wir die Woche zuvor durch unsere Mentorin Riju kennenlernen durften. Die ersten zwei Tage verbrachten wir in einem kleinen Bergdörfchen namens Smit. Dort durften wir in einer Khasi-Familie leben und die Stammestraditionen hautnah miterleben. So führte uns der Mann der Königin, an unserem ersten Tag beispielsweise, höchstpersönlich durch den beeindruckenden Palast des Stammes. Weiter ging es dann zu acht, in ein spielzeugähnliches Auto gequetscht, zu einem Aussichtspunkt, von dem aus sich ein Blick auf unberührte Natur und dazwischen, von der Außenwelt abgeschnittene, Bergdörfer bot. Mit dem wunderschönen Szenario vor Augen konnten wir noch viel mehr unser Mittagessen, was mal ausnahmsweise nicht in Plastik, sondern in Bananenblätter eingepackt war, genießen. Die Ruhe war ein perfekter Ausgleich zum geschäftigen Guwahati. Außerdem kamen wir noch in den Genuss einen wundervollen Wasserfall zu bewundern, der ebenso abgeschieden von der Außenwelt lag. Wieder zurück in Smit, freuten wir uns sehr über das wärmende Feuer im Wohnzimmer, worum sich die ganze Familie, von Omas über Tanten bis zu Enkeln und Cousins, versammelte. Als Dank für ihre Gastfreundschaft zauberten wir ein Abendessen, bei dem die Menge des Gemüses überwog und nicht wie sonst der Reis. Die nächsten zwei Tage stellten sich als komplettes Kontrastprogramm heraus. Die Familie, in der wir nun lebten, wohnte mitten in Shillong, der Hauptstadt Meghalayas, die im Vergleich zu Guwahati immer noch dörflich schien. Das jetzige Programm war eher touristisch. So besichtigen wir erneut Wasserfälle, den regenreichsten Ort der Erde, Cherrapunjee, kletterten durch das Mawsmai-Höhlensystem, und konnten vom Thang Kharang Park die Sicht auf das, im Nebel verschleierte, Bangladesh genießen. Auch hier nahm die Familie einen hohen Stellenwert ein. So trafen gestern Abend alle zu einem gemeinsamen Abendessen zusammen. Danach ließen wir den Abend zusammen im Wohnzimmer ausklingen, jedoch nicht wie in Smit um ein Feuerchen versammelt, sondern um einen kleinen Elektroheizer.

“Be the change that you wish to see in the world.” Ghandi

Die Zeit vergeht wie im Flug. Unterdessen sind wir schon einen Monat in Guwahati und auch wir haben uns hier gut eingelebt.

Die Kinder sind uns schon sehr ans Herz gewachsen, sodass wir uns die nächsten 5 Monate gut mit ihnen vorstellen können. In den letzten Wochen haben wir uns um den Garten gekümmert, nachdem wir gleich nach unserer Ankunft ein großes Potential in ihm entdeckten. So erschienen die alten, rostigen Klettergerüste, von denen der Lack schon allmählich abbröckelte, in neuem Glanz.

Außerdem war es an der Zeit ein gewisses Umweltbewusstsein einzuführen und so starteten wir eine große Aufräumaktion, mit EINER neuen Feuerstelle als Resultat.
Aber wir beschäftigten uns nicht nur mit den Kindern im Garten. Der Klavier- und Gitarrenunterricht ließ nämlich auch nicht länger auf sich warten. Die Kinder sind sehr musikbegeistert. Aber nicht nur sie lernen von uns, auch wir können viel aus ihrem Alltag mitnehmen. So lernten wir gestern beispielsweise, wie man selbst einen Besen herstellt.
Gerade sind wir dabei Pfannkuchen für die Kinder zu zaubern, sie freuen sich immer sehr über unsere süßen Überraschungen aus der Küche.

Veröffentlicht unter Jyoti