Cricket, der beste Sport der Welt

So steht es zumindest auf der Webseite, auf welcher ich versucht habe die Regeln zu lernen.

Es gibt so viele verschiedene Sportarten und meistens gibt es immer irgendjemanden, der diese Sportart nicht mag, nur bei Cricket sind sich alle Jungs im Ila einig. Sie lieben Cricket. Kaum ein Tag vergeht, an dem sie nicht ihre Würfe und Schläge trainieren. Daher ist dies die beste Sportart für ein großes Ila-Snehalaya-Match.

Am Sonntag, nach einigen Besorgungen (Cricketschläger, Cricketbälle, diese drei Stäbe, die entweder Wicket oder Stam heißen und natürlich Preise), sind wir nach dem Frühstück, damit es während des Spiels nicht zu heiß ist, auf das Feld vor dem Ila gegangen und Baby Baido und ich haben die Gruppen eingeteilt. Die Jungs haben wir nach der Größe Aufgestellt und wie in der Schule “Eins, Zwei, Eins, Zwei,..” durchgezählt, damit die Teams fair eingeteilt sind. Baby und ich waren Schiedsrichter, alle Jungs haben gespielt und die Aftercare Mädchen sowie einige Jungs aus Dhirenpara, die früher im Ila wohnten, haben am Rand gestanden und fleißig angefeuert. Das Anfeuern führte zu einem meiner Lieblingsmomente: Nachdem Avijit einen 4 runs gescored hat vollendete er diesen mit einer Radwende. Leider habe ich kein Foto davon. Der Endstand lautete 60 zu 59 für das Team, welches als zweites Geschlagen hat.

Zurück im Ila gab es dann eine kurze Siegerehrung, bei welcher jeder ein Spielzeugauto bekommen hat. Danach gab es eine Stärkung in Form von Bogorie und Chicken Tandoori. Tasty Arebaba!

Senehor Senehor Snehalaya – Snehalaya Day

Am 10. Januar sind alle Snehalayas zur Don Bosco School in Pan Bazar gefahren, um die Gründung von Snehalaya zu feiern. Es war ein riesiges Fest mit Kirmesspielen am Vormittag und einem ausgefallenen kulturellen Programm am Nachmittag. Nur die Vorbereitungen waren doch sehr zeitaufwendig und anstrengend, aber die Kinder haben es genossen und das macht die ein oder andere schlaflose Nacht vergessen.

Aber jetzt von Anfang an: Bereits im November hat Father Solomon mich in das Spieleteam eingetragen. Mit Sarahs und Tatjans Hilfe habe ich mir acht verschiedene Spiele ausgedacht und eine Liste erstellt mit allen Mitteln, die für die Durchsetzung benötiget werden. Als Father Solomon vom scouts camp zurück gekommen ist konnten wir die Sache gemeinsam angehen. Ich habe tatkräftige Unterstützung y einigen Jungs aus Dhirenpara und Paltan Bazar bekommen.  In den vier Tagen vorm Snehalaya Day haben wir die Materialien für die Spiele organisiert, das Konzept den Freiwilligen Helfern von Childfriendly Guwahati erklärt,Geschenkespenden als Preise für die Spiele aufgetrieben und eine Nacht haben meine Sisters, die Baidos und ich damit verbracht die Wertmarken auf die einzelnen Heime aufzuteilen. Nur morgens hatte ich eine halbe Stunde, um mit meinen Jungs unseren Tanz zu üben, denn ich musste immer früh los und kam erst spät abends nach Hause, wenn die Kinder bereits im Bett waren und dann bin ich nochmal zum Aftercare Hostel rüber gegangen, um mit Bobita ihren Text zu üben, da sie Moderatorin sein sollte.

Nach Father Lukoses Gottesdienst am Morgen bin ich eine Stunde vor Beginn des Programms an der Don Bosco School angekommen und habe mit den Aufbauarbeiten angefangen. Eine Stunde war leider nicht genug Zeit. Weil ich die ganze Zeit rumgerannt bin, habe ich leider die Eröffnung mit Flagge hießen und Prayer verpasst. Jeder Gast hat 5 Spielecoupons und 6 Essenscoupons bekommen, doch mir, die ich den Vormittag am Preisestad verbracht habe, kam es so vor, als ob es eine unendliche Menge an Spielecoupons gäbe. Aber wie bereits gesagt, die Kiddies hatten einen riesigen Spaß und das ist ja was zählt. Nach dem Mittagessen fing dann das Kulturprogramm an. Die Highlights für mich waren die Zirkusshow von den Auxilium Kidern, der Tanz von meinen Jungs und die Tänze von Dhirenpara und Paltan Bazar. Um 5 Uhr war es dann zu ende.

Brother Prasad hat extra für diesen Tag ein Lied namens “Senehor Snehalaya” geschrieben:

Senehor, senehor Snehalaya

Snehalaya, Haus der Liebe

Ami phal paon

Wir lieben dich

Senehor nigora borboloi dhore

Wie Wasser soll sich diese Liebe verbreiten

Hokolore monopran upparsaboloi

Jeder Mensch sollte einen frohen Geist haben

Wie gesagt für mich war der Tag und auch die Tage davor sehr sehr stressig, aber als ich dann am Abend die Kinder gefragt habe, wie sie es fanden und fast alle mit strahlenden Augen “very good”, “so nice” und “beautiful” gesagt haben, wusste ich, dass sich er ganze Aufwand voll und ganz gelohnt hat.

 

A Paradise Impalpable

Ila SnehalayaNun heißt es nach fünf Monaten in Ila Snehalaya auch für mich Abschied nehmen und es fällt mir sehr schwer. Das ganze Heimteam und vor allem die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aus diesem Grund habe ich versucht, die letzten Tage und Wochen mit den Kindern nochmal so richtig auszukosten und angefangene bzw. geplante Projekte fertigzustellen.
Pünktlich zu meiner kleinen Abschiedsfeier in der vergangenen Woche habe ich es endlich geschafft, das Eingangstor zu streichen. Jeder einzelne Schritt wurde dabei von den Jungs immer genau überwacht, wenn sie aus der Schule kamen. So waren sie am ersten Nachmittag ziemlich enttäuscht, dass man die Bleistiftstriche von Weitem ja gar nicht sehen könne, aber die Begeisterung steigerte sich glücklicherweise von Tag zu Tag, bis sich am Ende alle einig waren, dass jetzt jeder sehen könne, mit wem er es hier zu tun habe.
Neben dem Torstreichen war ich allerdings noch mit reichlich anderen Vorbereitungen bezüglich des Spielenachmittags mit den Jungen beschäftigt, so habe ich einen anderen Vormittag in der Küche damit zugebracht „German biscuits“ zu backen, die sich zum Afternoon tea sowohl die Kinder als auch die Schwestern und Staffmembers schmecken ließen. Im Anschluss spielten wir Partyspiele wie Topfschlagen und Eierlaufen. Obwohl die Kinder beim Topfschlagen anfangs nicht ganz verstanden, was sie zu tun hatten, begriffen sie den Sinn des Spieles ziemlich schnell und stellten zusätzlich noch eigene Regeln auf. Die Gruppe der Umstehenden teilte sich in zwei Teams, die einen versuchten, die „Topfschläger“ durch Brüllen zum Ziel zu führen, und die anderen versuchten, sie vom Ziel abzuhalten.
Nachdem die Outdoor-Aktivitäten abgeschlossen waren, fanden wir uns alle im Studyroom zusammen, wo jeder Junge sich seinen eigenen Anstecker basteln durfte. Das war das erste Mal in den fünf Monaten, dass ich hier so etwas wie Stillarbeit erlebt habe, aber nicht weil die Jungs ruhig arbeiten wollten, sondern weil ihre Stimmen von der ganzen Schreierei heiser waren. Wir beendeten den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen – Spaghetti mit Tomatensoße, ein gefundenes Fressen für die kleinen Inder, die mit ihren Händen ja so gerne im Essen rummanschen.
Als ich gestern dann in meinem Zimmer stand und die ganzen Sachen ausgemistet habe, die sich über den Zeitraum hier so angesammelt haben, stand plötzlich eines der Kinder in der Tür und fragte „Feli, you going? Germany going?“ und als ich bejahte, sagte er mit Tränen in den Augen „No going Feli.“
Grade jetzt in den letzten Tagen musste ich häufig an einen Ausdruck denken, mit dem der Provinzial V.M.Thomas vor ein paar Wochen den Nordosten Indiens beschrieben hat, a Paradise Impalpable (ein nicht greifbares Paradies) und genau das ist zumindest Snehalaya in den vergangenen fünf Monaten für mich gewesen. Ein Ort, an dem ich mich heimisch und geborgen fühlen durfte, wo mir geholfen und ich mit einem Lächeln empfangen wurde. Natürlich war es nicht immer einfach mit den Kindern und Schwestern, aber rückblickend lässt sich sagen, dass jeder Stolperstein der Grundstein für eine neue Erfahrung wurde.

Hygiene macht Spaß

Das durften in der vergangenen Woche 36 Straßenmädchen am eigenen Leib erfahren. Gemeinsam mit einer Hand voll Helfern von Operation Smile hat Snehalaya ihr monatliches Straßenmädchen-Camp gehalten. Wie üblich wurden die großen und kleinen Damen, die am Rande der Bahngleise in den Slums wohnen, morgens Daheim abgeholt und mit dem Snehalayabus zu uns gefahren. Hier durften sie sich dann erst mal eine Runde austoben und ausgiebig mit den ganzen „Foreigners“ aus Amerika, Schweden und Deutschland schmusen, selbst die dreizehn bis vierzehn jährigen Mädels hängen sich einem an den Hals und klammern sich wie kleine Äffchen fest, wenn man versucht, sie wieder abzusetzen. Das zeigt, wie viel Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit diese Mädchen brauchen, die sie sonst in ihrem harten Alltag nicht bekommen.
Viele von den Kindern waren nicht zum ersten Mal hier und es hat mich besonders gefreut, dass die eine oder andere sogar noch meinen Namen wusste. Die „alten Hasen“ zeigten den Neulingen auch gleich, wie so ein Camp läuft; nach dem Spielen wird sich gewaschen und dann bekommt jedes Kind ein neues Outfit. Vor dem Mittagessen haben wir diesmal eine Lerneinheit zum Thema Hygiene gemacht. Christy, eine der Amerikanerinnen von Operation Smile hat der Gruppe erst mal ein paar allgemeine Fragen gestellt, ob sie wüssten, wann man sich die Hände waschen müsse und wann es Zeit zum Zähneputzen sei. Mich hat schockiert, dass zwar alle wussten, dass die Hände vor und nach dem Essen zu reinigen sind, aber ich in ratlose Gesichter geblickt habe, als Ambrose den Mädchen übersetzt hat, dass dieses Ritual auch nach dem Toilettengang auszuführen sei.
Dann folgte der spannende Teil, zuerst wurden Trockenübungen ohne Seife und Wasser gemacht, um zu zeigen, wie die Hände und Zähne wirklich sauber werden. Christy erklärte den Kindern, dass sie jedes Mal beim Händewaschen ein Lied singen sollen. „I wanted to make them sing the birthday song but then I realised that they probably don’t know the birthday song”, meinte sie hinterher zu mir. Traurigerweise kennen die meisten der Kinder nicht einmal ihr eigenes Geburtsdatum, also wurde kurzerhand ein berühmtes Lied aus einem Bollywood Film gesungen. Nachdem die Theorie geklärt war, wurden ein paar Seifen verteilt und jede durfte es einmal selbst ausprobieren.
Im Anschluss an das  reichliche Mittagessen mit Reis, Daal, Hühnchen und Kartoffeln haben wir dann noch mit vereinten Kräften Finger- und Fußnägel lackiert und Bindis (die Ornamente, die sich die Inderinnen immer auf die Stirn kleben) auf 36 Köpfen verteilt. Frisch gestärkt und reichlich beschenkt, jedes Mädchen erhielt eine kleine Geschenktüte mit Seife, Zahnbürste, Zahnpaste und Haarklammern, verließen die Straßenkinder Ila am Nachmittag wieder. Ich stand noch eine Zeit lang am Tor, um ihnen zu winken, mit der Hoffnung in mir, dass sie das Gelernte in ihre Familien tragen und als Multiplikatoren fungieren, um so ihre Verwandten oder zumindest sich selbst vor Krankheiten zu schützen.

Aufbruchsstimmung

Snehalaya Tag

Der alljährliche Snehalaya Tag liegt jetzt schon wieder knapp eine halbe Woche zurück. Seit Wochen schon war von Nichts anderem mehr die Rede, als von dem großen Senahalaya Tag, der bald anstehen würde. Nicht nur jedes Heim, sondern auch wir 6 Freiwilligen studierten extra für diesen Tag eine Performance ein. So entstand eine kunterbunte Mischung aus Vorführungen, von Tanz und Schauspiel bis zu einer kleinen Akrobatikvorführung. Der ganze Tag stand unter dem Motto „Zweite Chance“. Dabei thematisierten die Kinder alltägliche Themen, wie das Leben auf der Straße. Sie stellten außerdem schauspielerisch die Bibelgeschichte von der Steinigung dar und brachten den Zuschauern die Geschichte Assams etwas näher, indem sie seine Tänze und Lieder präsentierten. Es wurde eine riesige Halle in der Stadt gemietet, damit auch jeder der rund 300 Gäste seinen Platz findet. Anders als bei den bisherigen Veranstaltungen waren es dieses Mal wirklich die Kinder, die im Mittelpunkt des Geschehens standen. Die aufwändigen Vorbereitungen hatten sich eindeutig gelohnt.

Schiff in Seenot

Unser Piratenschiff nimmt allmählich Form an, auch wenn es noch nicht jeder auf den ersten Blick erkennen mag. So wurden wir heute für unser schönes neues Gartenhäuschen gelobt. Die Ferien der Kinder haben sich eindeutig bewährt. Trotz den Vorbereitungen für den Snehalaya Tag blieb unser Piratenschiff nicht außer Acht. Dennoch: das Grundgerüst steht und seit heute ist der 1. Stock frei gegeben. Was anfangs noch sehr wacklig war, wird nun von Tag zu Tag immer stabiler, sodass es nur noch ein halb so großes Abenteuer ist sich im ersten Stock aufzuhalten. Nun wird es nicht mehr lange dauern bis die Segel gesetzt werden können.P1100829

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Picknick im Freien

Bevor etwa die Hälfte der Kinder durch eine Umstrukturierung Snehalayas unser Heim verlassen muss, lud unsere Köchin Beronica die ganze Mannschaft zu sich nach Hause ein. Aufgrund nicht strapazierbarer Blasen und einer hohen Anfälligkeit der Seekrankheit kamen wir nach einigen Stunden der Verzögerung im nur 250 km entfernten Heimatdorf an. Ein Dorf was hauptsächlich vom Teeanbau lebt, von einem Wechselbild aus Reisfeldern und Kokos-/Bananenhainen umgeben ist und nun sogar schon seit einem Monat ein eigenes Polizeirevier besitzt. Das Leben auf dem Land stellte für die Kinder eine fabelhafte Abwechslung zum grauen Leben in der Stadt dar. Nicht nur das Lagerfeuer, auch das Schlafen im Stroh und das Ernten der Früchte war eine große Freude. Wir wurden sehr herzlich willkommen geheißen von den rund 100 Verwandten, sodass die Vorstellungsrunde kein Ende zu nehmen schien. Das ganze Dorf war in unseren Aufenthalt involviert. Nicht nur für sie war es eine Ehre uns aufzunehmen, auch wir fühlten uns durch die große Gastfreundlichkeit sehr geehrt. Es war eine tolle Erfahrung einen so direkten Einblick in ein assamesisches Dorf zu bekommen, das dörfliche Leben so hautnah mitzuerleben. So gab es Feuerstellen im Garten über denen gekocht wurde, Lehmhütten, Plumsklos, und eine Pumpe statt warmem, fließendem Wasser. Bei der Frage, welches Leben das Bessere sei, das Leben in der Stadt oder das auf dem Land, waren sich alle Kinder einig: das auf dem Land.

 

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Neue Tischtennisausrüstung ist auf dem Weg nach Indien

Die SchlägersammlungSchon bei meinem ersten Aufenthalt in Paltan Bazar (Guwahati) im September hatte es mir unheimlich Spaß gemacht mit den Kindern Tischtennis zu spielen. In Paltan Bazar, wie auch im Dhirenpara, wo Benedikt und ich ab Januar sein werden, gibt es eine Tischtennisplatte. Die Platte und das Netz sind auch halbwegs zu gebrauchen.

Doch vor Allem die Kinder sind vom Tischtennis begeistert und spielen sehr trickreich. Ihr ist für mich beeindruckend gewesen, was für ein Talent die Kinder schon entwickelt haben.

Um ihr riesiges Talent zu fördern, hatte ich mir schon damals vorgenommen, wenn ich dann im Januar für 4 Monate wieder nach Indien gehe, mit den Kindern intensiv Tischtennistraining zu machen. Eine Platte und ein Netz existieren dafür, wie gesagt, auch schon, doch die Schläger, mit denen die Kinder dort spielen waren, ehrlich gesagt, katastrophal. So würde es mir nicht möglich sein das Potential der Kinder durch Training anständig zu fördern.

Nach meiner Wiederankunft in Deutschland habe ich deshalb kurzer Hand entschieden, in meinem Tischtennisverein eine Fundraising-Aktion zu diesem Zwecke durchzuführen. Mein Ziel dabei war es, möglichst viele Leute im Verein dazu zu bewegen alte Schläger und andere Tischtennisausrüstung wie Beläge, Hölzer, Bälle, Netze oder Trikots zu spenden.

Nach ein paar Wochen, in den ich viel Werbung über Plakate und Emails gemacht hatte, und viele Leute im Training angesprochen hatte, war ich zunächst etwas enttäuscht über die Resonanz im Verein.  Das änderte sich schlagartig, wie als hätte ein Schalter nur umgelegt werden müssen.

Auf einmal mal kamen die Leute in Scharen und brachten mir ihre alte Tischtennisausrüstung. Mir ist es außerdem gelungen zwei Tischtennisfachgeschäfte Matchball aus Darmstadt  und Sport Schreiner Tischtennis aus Völklingen  für meine Aktion zu begeistern. So habe ich auch hier beachtlichen Sachspenden und große Unterstützung bekommen.

Gegen Ende konnte ich mich vor Schlägerspenden kaum retten, sodass meine Fundraising-Aktion doch noch ein voller Erfolg wurde. Viele Leute aus meinem Verein lernte ich so auf eine ganz andere Art kennen. Einige Kollegen haben auch in anderen Vereinen und Trainingsgruppen für mich gesammelt. Die Unterstützung und die Faszination für meine Idee haben mich sehr gefreut und auch ein bisschen bewegt. Ein Beispiel möchte ich geben. Ein Kollege aus dem Verein habe während eines Punktspiels von meiner Aktion erzählt. Er fand das toll, was ich mache und meinte er hätte ein „ganzes Arsenal an Schlägern“, das er nicht mehr brauche. Im nächsten Training bräuchte er mir dann zwei große Taschen mit 13 Schlägern und dutzenden Belägen mit. Ich war natürlich begeistert… damit hatte nicht gerechnet. Meine Sammlung wuchs und wuchs also sehr schnell…

Letztendlich kann sich die Bilanz, finde ich, durchaus sehen lassen. Ich konnte 61 Schläger, 3 Netze, 220 Bälle, einige Trikots und vieles, vieles mehr zu sammeln. Wer sich etwas mit Tischtennis auskennt, weiß, dass es sich dabei um ein kleines Vermögen handelt. Zwischen den Jahren habe ich dann zwei große Umzugskarton mit Tischtennisausrüstung nach Indien geschickt, die hoffentlich auch dann schon da sind, wenn ich Anfang Januar ankomme.

Mit der neuen Ausrüstung wird den Kindern das Tischtennis-Spielen sicherlich deutlich mehr Spaß machen und ihre Technik kann sich durch die besseren Schläger bestimmt gut weiterentwickeln.

Eine lustige Sache ist mir dabei noch passiert. Es ist verboten Tischtennisbälle mit Flugzeug zu verschicken, da diese angeblich leicht entzündlich sind. Dann werde ich die Bälle wohl im Handgepäck mitnehmen, auch kein Problem.

Am Ende möchte ich mich, auch im Namen der Kinder aus Indien, bei allen Spenderinnen und Spendern ganz herzlich bedanken. Ich wusste, dass ich auf die Unterstützung der vielen netten Leute aus der Tischtennisabteilung des SV Darmstadt 98 setzen kann!

Vielen Dank auch an die Tischtennisabteilung des TSV Nieder-Ramstadt und von Viktoria Dieburg.

Ein besonderer Dank geht natürlich auch an das Team vom Matchball Darmstadt und an das Team vom Sport Schreiner Tischtennisartikel aus Völklingen. Ohne Euch hätte ich die Kinder nicht in diesem Maße unterstützen können …

Nun hoffe ich, dass die Kinder von den neuen Schlägern profitieren werden und ihren Spaß daran haben …

Fröhliche Weihnacht überall

Am vergangenen Samstag fingen hier die Weihnachtsfeierlichkeiten an. Die gesamte Snehalaya-Familie versammelte sich im Dhirenpara, um gemeinsam das Fest der Liebe zu feiern. Zur Begrüßung, aber auch um die Kinder ruhig zu stellen, wurden zu Beginn Brötchen und Kekse verteilt, bevor das eigentliche Programm startete. Jedes der Heime präsentierte einen Tanz oder Lied. Sogar die Weihnachtsgeschichte wurde tänzerisch dargestellt. Zusätzlich gab es drei „special acts“, zum Einen waren das wir vier Freiwillige mit einem deutschen Weihnachtslied, zum Anderen hatte Sr. Felix einige Mitarbeiter und die Schwestern zusammengetrommelt und einen Chor auf die Beine gestellt. Auf dem Keyboard begleitet sangen auch sie ein paar englische und hindi Weihnachtslieder. Ein ganz anderes Programm hatte sich Matthieu Kinnel mit ein paar Jungen aus Dhirenpara ausgedacht. Sie zeigten in einer kleinen Vorstellung, was sie in den vergangenen zwei Wochen im Judo gelernt hatten. Das reichte von Flugrollen bis hin zu echten Kämpfen. Nach einem langen Vormittag kam dann endlich der ersehnte Höhepunkt und die Geschenke wurden verteilt. Wir hatten im Vorfeld für jedes Kind eine kleine Überraschung verpackt. Father Lukose nannte das „das Outsourcing des Weihnachtsmanns“, so konnten sich die Mädchen über Kosmetik und die Jungen über Bälle und Autos freuen. Im Anschluss durften sich alle am reichlichen und vielseitigen Festmahl bedienen, zum Nachtisch gab es Kuchen und Obst.
Dann kam der Tag, der von uns mit der größten Spannung erwartet wurde, der 24. Dezember. Nach dem Frühstück bekamen die Jungen unser Weihnachtsgeschenk, jeder durfte sein eigenes T-Shirt batiken. Sie konnten wählen zwischen roter und blauer extra umweltfreundlicher Farbe, die wir aus Deutschland importiert hatten. Das Gütesiegel „umweltfreundlich“ interessierte die Inder natürlich wenig. Wie bei jeder kreativen Aufgabe waren wieder einige mit mehr und andere mit weniger Herzblut dabei. Manche machten zwei Knoten in ihr weißes Shirt, warfen es auf einen Haufen und verschwanden wieder, während andere den ganzen Prozess von Anfang bis Ende mit verfolgt und sogar Aufgaben von anderen übernommen haben. Während die T-Shirts in der Farbe einweichten haben wir noch ein letztes Mal den Backofen angeworfen und eine Menge deutscher Plätzchen gebacken.
Zur Belohnung für die getane Arbeit setzten wir uns hinterher alle zusammen und schauten „Student of the year“, einen Bollywood Film. Bevor der dreistündige Film jedoch beendet war, bekamen die Jungen ihre Geschenke von den Schwestern, ein komplett neues Outfit für jeden. Das hieß 22 Namen in jeweils Socken, Hose, Shirt und Pulli schreiben. Danach wurde noch schnell zu Abend gegessen, bevor wir alle gemeinsam zur Kirche gefahren sind, um an der Abendmesse teilzunehmen. Leider war die Messe in Hindi, sodass wir nur wenig verstanden, aber das Tanzen und Singen mit der ganzen Gemeinde im Anschluss rundete den Abend sehr schön ab, hundemüde und ohne Heimweh fielen wir in unsere Betten.
Heute Morgen stand die nächste, vom Erzbischof gehaltene Messe an. Danach hieß es wieder gefühlte tausend Hände schütteln, viel essen und „merry christmas“. In diesem Sinne wünschen wir im Namen aller Freiwilligen Ihnen und euch fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

German Beats in Guwahati

Als wir unausgeschlafen am frühen Dienstagmorgen mit dem Nachtzug in Guwahati ankamen und uns im Büro von Snehalaya in Paltan Bazar mit einem Teechen aufwärmen wollten, begannen unsere ersten Vorbereitungen zu den „German Beats“.

Father Lukose hatte uns am Abfahrtstag ins Nagaland mit der Aufgabe, eine Woche später mit 9 Jungs aus dem Dhirenpara vor dem obersten Richtern Indiens eine Performance vorzuführen, überrascht. Es ginge um Trommeln, Einräder und Diabolos, kurz gesagt „German Beats“. Wir konnten damit zu diesem Zeitpunkt wenig anfangen, mussten aber abwarten, bis wir wieder in Guwahati waren, um um das Ganze genauer anzuschauen.

Am Dienstagmorgen haben wir 4 Freiwilligen also zum ersten Mal gemeinsam mit Father Lukose über diese Performance geredet, Samstagabend bzw. Freitagabend zur Generalprobe, sollte sie stehen. Wir hatten 4-5 Tage Zeit und begannen gleich an diesem Dienstag.

In dieser Woche waren wir jeden Tag in Dhirenpara und übten mit den Jungen verschiedene Rhythmen, dazu führte ein Junge Diabolo vor und zwei andere fuhren Einrad. Mit „German Beats“ waren übrigens Eimer gemeint, die die Jungs sich um die Hüfte gurteten und darauf trommelten. Auch wir sollten unseren Teil dazu beisteuern, weshalb wir am Ende im Saree Stern über Bethlehem sangen. Die Veranstaltung bei der wir auftraten, war ein Seminar zwischen verschiedenen einflussreichen Personen, hauptsächlich Richtern Indiens, zu Kinder- und Frauenrechten.

Von der Veranstaltung an sich waren wir 4 Freiwilligen allerdings eher weniger begeistert. Am Anfang hielten alle wichtigen Personen eine Rede, dann gab es für die Zuhörer Essen und der zweite Teil bestand in verschiedenen Aufführungen von Organisationen, die mit dem Thema “Kinder- und Frauenrechten” etwas zu tun hatten. Die Kinder und Jugendlichen, die aufführten, warteten 3 bis 4 Stunden bis sie dran waren, da der Zeitplan sich verschoben hatte. Als sie dann endlich dran waren, war kein Publikum mehr da. Die VIP-Gäste saßen noch in den ersten drei Reihen, das restliche, große Auditorium war allerdings leer. Die Gäste waren nach der Essenspause nach Hause gegangen. War dies nicht eine Veranstaltung über Kinder, für Kinder? Warum hörte dann diesen Kindern keiner mehr zu? Als wir fertig waren, bedankte sich keiner und die Kinder wären einfach verschwunden, wenn wir nicht noch auf etwas zu Essen beharrt hätten, denn davon war nichts mehr da. Aber warum sollten nur die Gäste und nicht unsere Jungs nach 3-4 Stunden im Stehen warten etwas essen? Auch wenn sie noch etwas bekamen, waren wir aber etwas enttäuscht, dass die Kinder, um die es doch eigentlich ging, zu kurz kamen.

Doch nun hatten wir endlich die Zeit mit unserem großen Projekt anzufangen – unser Piratenschiff. Wir hatten schon seit Längerem Pläne geschmiedet für ein großes Schiff aus Holz, auf dem die Kinder rumtoben, klettern und entspannen können.

Schon allein die Vorbereitungen waren ein langwieriger Prozess: Man geht nicht einfach in den Baumarkt und kauft zugeschnittenes Holz, Winkeleisen und Schrauben. Nein, für das Holz sind wir in einen anderen Bundesstaat, Meghalaya, gefahren um dort in einer Holzfabrik unsere Bestellung aufzugeben. Das war allerdings auch eine beeindruckende Erfahrung, es hat sich gelohnt. Um Schrauben und ähnliches zu besorgen, zogen wir von Laden zu Laden, zeigten Fotos von Schrauben, Muttern und Winkeleisen. Wir wurden gefragt, für was wir das denn bräuchten, am Ende hatten sie es dann doch nicht. Es dauerte seine Zeit, bis wir ansatzweise alles zusammenhatten. Also konnten wir dann letzte Woche endlich beginnen und sind überrascht wie fleißig die Kinder, vor allem die Jungen, bei uns doch mithelfen. Jeden Morgen fragen sie uns, ob wir denn heute weiterarbeiten, sie sind richtig begeistert. Aber dennoch ist das Schiff eine große Aufgabe, die uns über die nächsten Wochen begleiten wird, wir freuen uns schon sehr darauf.

Heute Morgen mussten wir die Kinder allerdings enttäuschen, denn heute Morgen sind wir mit ca. 26 Jungen vom Bahnhof zu einem Picknickplatz in der Natur aufgebrochen. Snehalaya organisiert jeden Monat solche Tage, bei denen sie die Jungen und Mädchen von den Straßen und vom Bahnhof Guwahatis auflesen, ihnen Essen und Kleidung geben und sie sich duschen können. Es werden Spiele gespielt und Ausflüge gemacht, mit der Hoffnung einige dieser Kinder dazu bewegen zu können doch in einem Heim zu bleiben. Dieses Mal sollte es eine Art kleine Weihnachtsfeier sein. Wir fuhren mit ihnen raus aus der Stadt, rein in die Natur, auf eine große Wiese zwischen Hügel, an einem kleinen Bach gelegen, dazwischen Kühe. Wir spielten verschiedene Spiele, machten Wettrennen, erkundigten die Natur, scherzten herum, aßen gutes Mittagessen und hielten in der Sonne Mittagschlaf. Am Ende bekamen die Jungs alle neue Kapuzenjacken und ein paar Preise für die Gewinner der Spiele, in Form von Seife, Zahnbürsten oder Kokosöl für die Haare. Es war ein sehr schöner Tag mit diesen Kindern, auch wenn wir diesmal sehr sehr viele Schnüffeltücher einsammelten mussten und der ganze Bus nach Kleber stank. Auch wenn man nur einen Tag mit diesen Kindern verbringt, wachsen sie einem sofort ans Herz und es ist traurig zu wissen, dass die meisten zurück zum Bahnhof gehen, weiterhin schnüffeln und betteln werden.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Weihnachtsbastelei

Auch hier bei uns macht sich langsam Weihnachtsstimmung breit, zwar werden nicht in jedem Laden Lebkuchen und Weihnachtsmänner verkauft, aber die Orangensaison hat begonnen. Passend dazu haben wir einen Nachmittag lang gemeinsam mit den Jungen aus Ila Snehalaya Weihnachtsschmuck gebastelt. Aus einem assamesischen Buch und ein paar Perlen wurden kleine Engel und das aus Deutschland importierte Glitzer fand auf den selbst (ab-)gemalten Weihnachtsmotiven mehr als genug Platz. So verwandelten sich weiße Papiere in Windeseile in Christbaumschmuck, aber auch der Studyroom sah nach der Bastelrunde eher wie die Geschenkefabrik des Weihnachtsmannes aus.  Die bunten Schneemänner, Weihnachtssterne und Rentiere sind ebenso wie die Engelchen auf dem Weg nach Deutschland, um den Weihnachtsbaum der DZ Bank zu schmücken. Allerdings waren nicht nur die Kinder fleißig, sondern auch wir zwei Freiwillige haben uns mit dem Christkind getroffen und so darf seit dem ersten Dezember jeden Tag ein anderer Junge ein Päckchen des Adventskalenders öffnen.

Letzte Pinselstriche

Bevor wir uns eine einwöchige Auszeit von Guwahati gegönnt haben, wurden hier noch ein letztes Mal die Pinsel geschwungen. Das Garagentor erhielt seinen endgültigen Anstrich und auch die Basketballpfosten und Fußballtore laden nun durch die bunten Farben zum Spielen ein. Dank der Karmariders, die letzte Woche bei einem Besuch des Heimes viele Bälle in verschiedenen Farben und Größen mitgebracht haben, konnte das Basketballtraining auch direkt beginnen. An dem Teamgeist muss noch hart gearbeitet werden, im Moment gleicht dieser Mannschaftssport noch eher einem Einzelwettstreit.

Zu Besuch bei den Elefanten und Nagas

Am 27. November begann die mit Vorfreude erwartete Reise in den Kaziranga Nationalpark und anschließend in das Land der Nagas. Wir hatten leider nicht das Glück, einen der 106  Tiger zu sehen, aber dafür zeigten sich uns viele Nashörner und sogar der vom Aussterben bedrohte Hornbill (Nashornvogel). Gemeinsam mit den Karmariders besuchten wir rund um Golaghat ein paar Community Schools und ein besonderes Highlight war der Besuch einer Teefabrik. Zum Wochenende trafen wir uns dann mit den anderen beiden Freiwilligen, sowie Herrn Dr. Zinnecker und den beiden Damen von Accenture in Dimapur, um gemeinsam zum Hornbill Festival zu fahren. Es war sehr interessant, die traditionellen Tänze der Nagas und auch der anderen Stämme aus Nordostindien zu sehen und ihre Kriegsgesänge zu hören. Bei unseren Streifzügen über das Festivalgelände, tauchten wir immer wieder in die uralten Traditionen der Nagas ab, auch wenn das ein oder andere Ritual, wie zum Beispiel das Schweinefett-Wettessen für uns eher befremdlich war. Am Montag wurden noch ein paar Souvenirs und Geschenke für die Familie gekauft, bevor es dann mit dem Nachtzug zurück nach Guwahati ging, wo uns jetzt die besinnlichste Zeit des Jahres bevorsteht.

Mit kleinen Sachen Kindern eine große Freude machen

Ein neues Klettergerüst für Ila

Die zweite „Baustelle“ der Schweißer in Ila war das neue Klettergerüst für die Kinder. Bereits Wochen zuvor hatten wir ein Gespräch mit einem der Arbeiter, bei dem uns Sister Annie als Übersetzerin assistiert hat und trotzdem waren wir uns bis zur letzten Sekunde nicht ganz sicher, ob das Endprodukt mit unserem Plan übereinstimmen würde. Aber nun steht das 2,5m x 2m x 2m große Spielgerät neben der Schaukel in unserem Garten. Im Anschluss lag es bei uns, den Rohbau kindergerecht zu gestalten. Mal wieder bewaffneten wir uns mit Farbe und Pinsel und legten los… Jetzt erstrahlt das Gerüst in vier verschiedenen Farben und mit Hilfe von Seilen, einem Reifen und Seemannsknoten vollendeten wir unser Werk. Allerdings gab es auch schon den ersten Unfall, eines unserer Kinder ist trotz mehrmaligem Warnen einer Schwester leichtsinnig vom Klettergerüst gesprungen und dabei unglücklich auf seinem Arm gelandet, der nun gebrochen ist. Jedoch wird der Junge für seinen Gips von den anderen beneidet und als Held gefeiert.

Familienzuwachs

Auch sonst wird es bei uns nie langweilig, eines Abends kamen Sister Annie und ein paar der Jungen vom Rosenkranzbeten bei einer benachbarten Familie zurück und wir trauten unseren Augen kaum, als wir sahen, dass ein Junge ein relativ großes Lebewesen in seinen Armen trug. Seitdem lebt Ruby, ein kniehoher, braun-schwarzer Hund, bei uns. Es war nicht ganz einfach, die Spielregeln für und mit dem Hund umzusetzen, da die Kinder es nicht gewohnt sind, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen, und  Hunde eigentlich nicht als Haustiere sondern nur als Straßenköter kennen. Mittlerweile klappt das Zusammenleben aber schon richtig gut und es ist schön zu sehen, wie einige der Kinder im Umgang mit Ruby aufblühen und bisher unbekannte Seiten zeigen.
Neben Ruby sind auch noch zwei Hühner bei uns eingezogen, die unseren Plan, Kaninchen anzuschaffen, durchkreuzt haben, da sie nun im Hasenstall wohnen, den wir hühnergerecht umfunktioniert haben. Der Rohbau stand schon bei unserer Ankunft, allerdings musste das Netz erneuert, einige Bretter erneuert und der Käfig grundgereinigt werden. Trotz anfänglicher Bedenken leben Hund und Hühner friedlich miteinander auf dem Gelände von Ila Snehalaya.