A Paradise Impalpable

Ila SnehalayaNun heißt es nach fünf Monaten in Ila Snehalaya auch für mich Abschied nehmen und es fällt mir sehr schwer. Das ganze Heimteam und vor allem die Kinder sind mir sehr ans Herz gewachsen. Aus diesem Grund habe ich versucht, die letzten Tage und Wochen mit den Kindern nochmal so richtig auszukosten und angefangene bzw. geplante Projekte fertigzustellen.
Pünktlich zu meiner kleinen Abschiedsfeier in der vergangenen Woche habe ich es endlich geschafft, das Eingangstor zu streichen. Jeder einzelne Schritt wurde dabei von den Jungs immer genau überwacht, wenn sie aus der Schule kamen. So waren sie am ersten Nachmittag ziemlich enttäuscht, dass man die Bleistiftstriche von Weitem ja gar nicht sehen könne, aber die Begeisterung steigerte sich glücklicherweise von Tag zu Tag, bis sich am Ende alle einig waren, dass jetzt jeder sehen könne, mit wem er es hier zu tun habe.
Neben dem Torstreichen war ich allerdings noch mit reichlich anderen Vorbereitungen bezüglich des Spielenachmittags mit den Jungen beschäftigt, so habe ich einen anderen Vormittag in der Küche damit zugebracht „German biscuits“ zu backen, die sich zum Afternoon tea sowohl die Kinder als auch die Schwestern und Staffmembers schmecken ließen. Im Anschluss spielten wir Partyspiele wie Topfschlagen und Eierlaufen. Obwohl die Kinder beim Topfschlagen anfangs nicht ganz verstanden, was sie zu tun hatten, begriffen sie den Sinn des Spieles ziemlich schnell und stellten zusätzlich noch eigene Regeln auf. Die Gruppe der Umstehenden teilte sich in zwei Teams, die einen versuchten, die „Topfschläger“ durch Brüllen zum Ziel zu führen, und die anderen versuchten, sie vom Ziel abzuhalten.
Nachdem die Outdoor-Aktivitäten abgeschlossen waren, fanden wir uns alle im Studyroom zusammen, wo jeder Junge sich seinen eigenen Anstecker basteln durfte. Das war das erste Mal in den fünf Monaten, dass ich hier so etwas wie Stillarbeit erlebt habe, aber nicht weil die Jungs ruhig arbeiten wollten, sondern weil ihre Stimmen von der ganzen Schreierei heiser waren. Wir beendeten den Tag mit einem gemeinsamen Abendessen – Spaghetti mit Tomatensoße, ein gefundenes Fressen für die kleinen Inder, die mit ihren Händen ja so gerne im Essen rummanschen.
Als ich gestern dann in meinem Zimmer stand und die ganzen Sachen ausgemistet habe, die sich über den Zeitraum hier so angesammelt haben, stand plötzlich eines der Kinder in der Tür und fragte „Feli, you going? Germany going?“ und als ich bejahte, sagte er mit Tränen in den Augen „No going Feli.“
Grade jetzt in den letzten Tagen musste ich häufig an einen Ausdruck denken, mit dem der Provinzial V.M.Thomas vor ein paar Wochen den Nordosten Indiens beschrieben hat, a Paradise Impalpable (ein nicht greifbares Paradies) und genau das ist zumindest Snehalaya in den vergangenen fünf Monaten für mich gewesen. Ein Ort, an dem ich mich heimisch und geborgen fühlen durfte, wo mir geholfen und ich mit einem Lächeln empfangen wurde. Natürlich war es nicht immer einfach mit den Kindern und Schwestern, aber rückblickend lässt sich sagen, dass jeder Stolperstein der Grundstein für eine neue Erfahrung wurde.

Hygiene macht Spaß

Das durften in der vergangenen Woche 36 Straßenmädchen am eigenen Leib erfahren. Gemeinsam mit einer Hand voll Helfern von Operation Smile hat Snehalaya ihr monatliches Straßenmädchen-Camp gehalten. Wie üblich wurden die großen und kleinen Damen, die am Rande der Bahngleise in den Slums wohnen, morgens Daheim abgeholt und mit dem Snehalayabus zu uns gefahren. Hier durften sie sich dann erst mal eine Runde austoben und ausgiebig mit den ganzen „Foreigners“ aus Amerika, Schweden und Deutschland schmusen, selbst die dreizehn bis vierzehn jährigen Mädels hängen sich einem an den Hals und klammern sich wie kleine Äffchen fest, wenn man versucht, sie wieder abzusetzen. Das zeigt, wie viel Liebe, Zuneigung und Aufmerksamkeit diese Mädchen brauchen, die sie sonst in ihrem harten Alltag nicht bekommen.
Viele von den Kindern waren nicht zum ersten Mal hier und es hat mich besonders gefreut, dass die eine oder andere sogar noch meinen Namen wusste. Die „alten Hasen“ zeigten den Neulingen auch gleich, wie so ein Camp läuft; nach dem Spielen wird sich gewaschen und dann bekommt jedes Kind ein neues Outfit. Vor dem Mittagessen haben wir diesmal eine Lerneinheit zum Thema Hygiene gemacht. Christy, eine der Amerikanerinnen von Operation Smile hat der Gruppe erst mal ein paar allgemeine Fragen gestellt, ob sie wüssten, wann man sich die Hände waschen müsse und wann es Zeit zum Zähneputzen sei. Mich hat schockiert, dass zwar alle wussten, dass die Hände vor und nach dem Essen zu reinigen sind, aber ich in ratlose Gesichter geblickt habe, als Ambrose den Mädchen übersetzt hat, dass dieses Ritual auch nach dem Toilettengang auszuführen sei.
Dann folgte der spannende Teil, zuerst wurden Trockenübungen ohne Seife und Wasser gemacht, um zu zeigen, wie die Hände und Zähne wirklich sauber werden. Christy erklärte den Kindern, dass sie jedes Mal beim Händewaschen ein Lied singen sollen. „I wanted to make them sing the birthday song but then I realised that they probably don’t know the birthday song”, meinte sie hinterher zu mir. Traurigerweise kennen die meisten der Kinder nicht einmal ihr eigenes Geburtsdatum, also wurde kurzerhand ein berühmtes Lied aus einem Bollywood Film gesungen. Nachdem die Theorie geklärt war, wurden ein paar Seifen verteilt und jede durfte es einmal selbst ausprobieren.
Im Anschluss an das  reichliche Mittagessen mit Reis, Daal, Hühnchen und Kartoffeln haben wir dann noch mit vereinten Kräften Finger- und Fußnägel lackiert und Bindis (die Ornamente, die sich die Inderinnen immer auf die Stirn kleben) auf 36 Köpfen verteilt. Frisch gestärkt und reichlich beschenkt, jedes Mädchen erhielt eine kleine Geschenktüte mit Seife, Zahnbürste, Zahnpaste und Haarklammern, verließen die Straßenkinder Ila am Nachmittag wieder. Ich stand noch eine Zeit lang am Tor, um ihnen zu winken, mit der Hoffnung in mir, dass sie das Gelernte in ihre Familien tragen und als Multiplikatoren fungieren, um so ihre Verwandten oder zumindest sich selbst vor Krankheiten zu schützen.

Fröhliche Weihnacht überall

Am vergangenen Samstag fingen hier die Weihnachtsfeierlichkeiten an. Die gesamte Snehalaya-Familie versammelte sich im Dhirenpara, um gemeinsam das Fest der Liebe zu feiern. Zur Begrüßung, aber auch um die Kinder ruhig zu stellen, wurden zu Beginn Brötchen und Kekse verteilt, bevor das eigentliche Programm startete. Jedes der Heime präsentierte einen Tanz oder Lied. Sogar die Weihnachtsgeschichte wurde tänzerisch dargestellt. Zusätzlich gab es drei „special acts“, zum Einen waren das wir vier Freiwillige mit einem deutschen Weihnachtslied, zum Anderen hatte Sr. Felix einige Mitarbeiter und die Schwestern zusammengetrommelt und einen Chor auf die Beine gestellt. Auf dem Keyboard begleitet sangen auch sie ein paar englische und hindi Weihnachtslieder. Ein ganz anderes Programm hatte sich Matthieu Kinnel mit ein paar Jungen aus Dhirenpara ausgedacht. Sie zeigten in einer kleinen Vorstellung, was sie in den vergangenen zwei Wochen im Judo gelernt hatten. Das reichte von Flugrollen bis hin zu echten Kämpfen. Nach einem langen Vormittag kam dann endlich der ersehnte Höhepunkt und die Geschenke wurden verteilt. Wir hatten im Vorfeld für jedes Kind eine kleine Überraschung verpackt. Father Lukose nannte das „das Outsourcing des Weihnachtsmanns“, so konnten sich die Mädchen über Kosmetik und die Jungen über Bälle und Autos freuen. Im Anschluss durften sich alle am reichlichen und vielseitigen Festmahl bedienen, zum Nachtisch gab es Kuchen und Obst.
Dann kam der Tag, der von uns mit der größten Spannung erwartet wurde, der 24. Dezember. Nach dem Frühstück bekamen die Jungen unser Weihnachtsgeschenk, jeder durfte sein eigenes T-Shirt batiken. Sie konnten wählen zwischen roter und blauer extra umweltfreundlicher Farbe, die wir aus Deutschland importiert hatten. Das Gütesiegel „umweltfreundlich“ interessierte die Inder natürlich wenig. Wie bei jeder kreativen Aufgabe waren wieder einige mit mehr und andere mit weniger Herzblut dabei. Manche machten zwei Knoten in ihr weißes Shirt, warfen es auf einen Haufen und verschwanden wieder, während andere den ganzen Prozess von Anfang bis Ende mit verfolgt und sogar Aufgaben von anderen übernommen haben. Während die T-Shirts in der Farbe einweichten haben wir noch ein letztes Mal den Backofen angeworfen und eine Menge deutscher Plätzchen gebacken.
Zur Belohnung für die getane Arbeit setzten wir uns hinterher alle zusammen und schauten „Student of the year“, einen Bollywood Film. Bevor der dreistündige Film jedoch beendet war, bekamen die Jungen ihre Geschenke von den Schwestern, ein komplett neues Outfit für jeden. Das hieß 22 Namen in jeweils Socken, Hose, Shirt und Pulli schreiben. Danach wurde noch schnell zu Abend gegessen, bevor wir alle gemeinsam zur Kirche gefahren sind, um an der Abendmesse teilzunehmen. Leider war die Messe in Hindi, sodass wir nur wenig verstanden, aber das Tanzen und Singen mit der ganzen Gemeinde im Anschluss rundete den Abend sehr schön ab, hundemüde und ohne Heimweh fielen wir in unsere Betten.
Heute Morgen stand die nächste, vom Erzbischof gehaltene Messe an. Danach hieß es wieder gefühlte tausend Hände schütteln, viel essen und „merry christmas“. In diesem Sinne wünschen wir im Namen aller Freiwilligen Ihnen und euch fröhliche Weihnachten und einen guten Rutsch ins neue Jahr.

Erst die Arbeit, dann das Vergnügen

Weihnachtsbastelei

Auch hier bei uns macht sich langsam Weihnachtsstimmung breit, zwar werden nicht in jedem Laden Lebkuchen und Weihnachtsmänner verkauft, aber die Orangensaison hat begonnen. Passend dazu haben wir einen Nachmittag lang gemeinsam mit den Jungen aus Ila Snehalaya Weihnachtsschmuck gebastelt. Aus einem assamesischen Buch und ein paar Perlen wurden kleine Engel und das aus Deutschland importierte Glitzer fand auf den selbst (ab-)gemalten Weihnachtsmotiven mehr als genug Platz. So verwandelten sich weiße Papiere in Windeseile in Christbaumschmuck, aber auch der Studyroom sah nach der Bastelrunde eher wie die Geschenkefabrik des Weihnachtsmannes aus.  Die bunten Schneemänner, Weihnachtssterne und Rentiere sind ebenso wie die Engelchen auf dem Weg nach Deutschland, um den Weihnachtsbaum der DZ Bank zu schmücken. Allerdings waren nicht nur die Kinder fleißig, sondern auch wir zwei Freiwillige haben uns mit dem Christkind getroffen und so darf seit dem ersten Dezember jeden Tag ein anderer Junge ein Päckchen des Adventskalenders öffnen.

Letzte Pinselstriche

Bevor wir uns eine einwöchige Auszeit von Guwahati gegönnt haben, wurden hier noch ein letztes Mal die Pinsel geschwungen. Das Garagentor erhielt seinen endgültigen Anstrich und auch die Basketballpfosten und Fußballtore laden nun durch die bunten Farben zum Spielen ein. Dank der Karmariders, die letzte Woche bei einem Besuch des Heimes viele Bälle in verschiedenen Farben und Größen mitgebracht haben, konnte das Basketballtraining auch direkt beginnen. An dem Teamgeist muss noch hart gearbeitet werden, im Moment gleicht dieser Mannschaftssport noch eher einem Einzelwettstreit.

Zu Besuch bei den Elefanten und Nagas

Am 27. November begann die mit Vorfreude erwartete Reise in den Kaziranga Nationalpark und anschließend in das Land der Nagas. Wir hatten leider nicht das Glück, einen der 106  Tiger zu sehen, aber dafür zeigten sich uns viele Nashörner und sogar der vom Aussterben bedrohte Hornbill (Nashornvogel). Gemeinsam mit den Karmariders besuchten wir rund um Golaghat ein paar Community Schools und ein besonderes Highlight war der Besuch einer Teefabrik. Zum Wochenende trafen wir uns dann mit den anderen beiden Freiwilligen, sowie Herrn Dr. Zinnecker und den beiden Damen von Accenture in Dimapur, um gemeinsam zum Hornbill Festival zu fahren. Es war sehr interessant, die traditionellen Tänze der Nagas und auch der anderen Stämme aus Nordostindien zu sehen und ihre Kriegsgesänge zu hören. Bei unseren Streifzügen über das Festivalgelände, tauchten wir immer wieder in die uralten Traditionen der Nagas ab, auch wenn das ein oder andere Ritual, wie zum Beispiel das Schweinefett-Wettessen für uns eher befremdlich war. Am Montag wurden noch ein paar Souvenirs und Geschenke für die Familie gekauft, bevor es dann mit dem Nachtzug zurück nach Guwahati ging, wo uns jetzt die besinnlichste Zeit des Jahres bevorsteht.

Mit kleinen Sachen Kindern eine große Freude machen

Ein neues Klettergerüst für Ila

Die zweite „Baustelle“ der Schweißer in Ila war das neue Klettergerüst für die Kinder. Bereits Wochen zuvor hatten wir ein Gespräch mit einem der Arbeiter, bei dem uns Sister Annie als Übersetzerin assistiert hat und trotzdem waren wir uns bis zur letzten Sekunde nicht ganz sicher, ob das Endprodukt mit unserem Plan übereinstimmen würde. Aber nun steht das 2,5m x 2m x 2m große Spielgerät neben der Schaukel in unserem Garten. Im Anschluss lag es bei uns, den Rohbau kindergerecht zu gestalten. Mal wieder bewaffneten wir uns mit Farbe und Pinsel und legten los… Jetzt erstrahlt das Gerüst in vier verschiedenen Farben und mit Hilfe von Seilen, einem Reifen und Seemannsknoten vollendeten wir unser Werk. Allerdings gab es auch schon den ersten Unfall, eines unserer Kinder ist trotz mehrmaligem Warnen einer Schwester leichtsinnig vom Klettergerüst gesprungen und dabei unglücklich auf seinem Arm gelandet, der nun gebrochen ist. Jedoch wird der Junge für seinen Gips von den anderen beneidet und als Held gefeiert.

Familienzuwachs

Auch sonst wird es bei uns nie langweilig, eines Abends kamen Sister Annie und ein paar der Jungen vom Rosenkranzbeten bei einer benachbarten Familie zurück und wir trauten unseren Augen kaum, als wir sahen, dass ein Junge ein relativ großes Lebewesen in seinen Armen trug. Seitdem lebt Ruby, ein kniehoher, braun-schwarzer Hund, bei uns. Es war nicht ganz einfach, die Spielregeln für und mit dem Hund umzusetzen, da die Kinder es nicht gewohnt sind, Verantwortung für andere Lebewesen zu übernehmen, und  Hunde eigentlich nicht als Haustiere sondern nur als Straßenköter kennen. Mittlerweile klappt das Zusammenleben aber schon richtig gut und es ist schön zu sehen, wie einige der Kinder im Umgang mit Ruby aufblühen und bisher unbekannte Seiten zeigen.
Neben Ruby sind auch noch zwei Hühner bei uns eingezogen, die unseren Plan, Kaninchen anzuschaffen, durchkreuzt haben, da sie nun im Hasenstall wohnen, den wir hühnergerecht umfunktioniert haben. Der Rohbau stand schon bei unserer Ankunft, allerdings musste das Netz erneuert, einige Bretter erneuert und der Käfig grundgereinigt werden. Trotz anfänglicher Bedenken leben Hund und Hühner friedlich miteinander auf dem Gelände von Ila Snehalaya.

Wer zuerst kommt, malt zuerst

Feast of Our Lady of Fatima

Am vergangenen Wochenende feierten „unsere Schwestern” ein Fest zu Ehren ihres Ordens. Am 13. Oktober 1917 erschien Maria drei kleinen Kindern in Fatima und forderte sie auf, dort eine Kapelle zu ihren Ehren zu bauen und jeden Tag den Rosenkranz zu beten. Jedes Jahr an diesem Tag wird daher ein Fest mit einer großen Messe und allen befreundeten Pfarrern und Schwestern gefeiert.
Die Vorbereitungen waren sehr aufwendig und zogen sich über mehrere Tage hin, wir bastelten Blumenschmuck und verzierten die Kapelle, parallel dazu wurde ein Großeinkauf getätigt und am Abend gab es ein wahres Festessen mit Fleisch und Fisch. Besonders viel Spaß hat es uns bereitet, den Obstsalat für das Dessert vorzubereiten, der dann mit Vanillesoße serviert wurde.
Doch bevor gegessen werden konnte, versammelten sich alle Anwesenden zur Messe und anschließend zu einem kleinen Programm, das die Angestellten und wir mit den Jungen einstudiert hatten. Zu Beginn wurden zwei traditionelle, assamesische Tänze gezeigt, woraufhin die Kinder „If you happy and you know it“ sangen und Macarena tanzten. Für diese Leistung gab es vom Publikum großen Applaus und die Leistung der Kinder stellte unsere kleine Tanz-Performance um Längen in den Schatten. Unter angeregten Gesprächen ließen wir den Abend langsam und gemütlich ausklingen.

Das Garagentor

Pünktlich zum Fest wurde auch unser nächstes Projekt fertig, wir haben alle zusammen das Garagentor gestrichen. Nachdem wir den Anfang gemacht hatten und das Tor weiß grundiert hatten, lag die größte Schwierigkeit darin, dass alle Jungen gleichzeitig streichen wollten, aber nur zwei Pinsel zur Verfügung standen. Die Kinder durften nacheinander die einzelnen Flächen des vorgemalten Mandalas ausmalen, sodass am Ende ein großes, buntes Gesamtkunstwerk daraus entstand. Man merkte sehr schnell, welche Kinder eher fein- und welche eher grobmotorisch veranlagt sind, jedes von ihnen gab sich jedoch große Mühe. Im Endeffekt war es uns wichtiger, dass es ein Projekt von allen Kindern gemeinsam ist, als dass keine Linie übermalt und das Bild perfekt ist.

Basketballkörbe für Ila

Schon bei unserer Ankunft versprach Father Lukose uns, dass die Jungen BALD Basketballkörbe zum Spielen montiert bekämen… Jetzt, nach über einem Monat ist es endlich soweit und die Körbe stehen. Aber auch das war kein leichtes Unterfangen, denn sie wurden auf „indische Art“ montiert. Als vor vier Tagen die Handwerker das erste Mal nach Ila kamen, dachten wir, die Körbe seinen innerhalb von zwei bis drei Stunden montiert, aber so denken nur wir Deutsche. Schlussendlich brauchte es fünf Handwerker und vier Arbeitstage, bis die leicht rostigen Stangen mit den großen weißen Brettern daran in der Erde festzementiert waren. Nun wird es unsere Aufgabe sein, sie zu bemalen und mit der Farbe wetterfest zu machen.
Was man bei all der Verwunderung über die indische Arbeitsweise jedoch nicht vergessen darf, ist dass die Handwerker parallel zu den Basketballkörben auch noch an einem zweiten Projekt gearbeitet haben, von dem wir beim nächsten Mal berichten.

Erste Erfolge in Ila Snehalaya

Ila Snehalaya

Seit zwei Wochen leben wir jetzt gemeinsam mit 23 Kindern, zwei Schwestern und fünf festangestellten Staffmembers in Ila Snehalaya. Die Jungen hier sind zwischen sechs und 16 Jahren alt und lieben es zu spielen und zu toben, zu singen und zu tanzen. Wir wurden von allen sehr herzlich aufgenommen und fühlen uns nach zwei Wochen bereits pudel wohl. Die größte Umgewöhnung war für uns nach einem viertel Jahr ausschlafen das frühe Aufstehen, denn hier beginnt der Tag zwischen 6:45-7:00 Uhr mit dem morgendlichen Gebet bzw. der Messe. Es ist beeindruckend zu sehen, wie fein herausgeputzt und diszipliniert die Kinder schon am frühen Morgen dort sitzen und aus vollem Munde ihre Lieder und Gebete singen und beten.
Trotz der Tatsache, dass kaum einer der Jungen wirklich Englisch spricht und wir bis jetzt weder Hindi noch Assamies können, klappt die Verständigung erstaunlich gut, eine wichtige und positive Erfahrung für uns.

Das „Baumhaus“

Schon an dem Tag nach unserer Ankunft haben wir unser neues, weiträumiges Zuhause erkundet. Dabei stießen wir auf Bananenbäume, Palmen, zwei Fußballtore, einen kleinen Spielplatz und unter anderem auch auf eine große, ungenutzte Holzkiste. Sie sollte nach ein paar Handgriffen in ihrer neuen Funktion mehr Beachtung finden.
Unser Plan: ein Baumhaus für die Jungen
Somit standen wir vor der nächsten Hürde; woher bekommen wir Werkzeug und wie geben wir dem einzigen Mann auf dem Grundstück zu verstehen, dass WIR arbeiten und nicht nur delegieren möchten?
Nach und nach bekamen wir dann verschiedene hauseigene Werkzeuge, bis wir am Ende des Tages mit einem Hammer, zwei Zangen, einigen Nägeln und einer furchteinflößenden Axt unser Projekt angehen konnten.
Nach zwei Tagen und viel schweißtreibender Arbeit stand das Baumhaus einweihungsbereit an seinem Platz in einem Baum neben den Schaukeln. Die größten Probleme waren für uns die rostigen Nägel, die sich weder vernünftig aus dem Holz ziehen noch hineinschlagen ließen und das Gewicht der Kiste, das wir bei weitem unterschätzt hatten. Also brauchten wir doch die Unterstützung eines echten Mannes, um die Kiste in den Baum zu heben. In luftiger Höhe haben wir es dann noch mit Brettern, Kordel und Draht fixiert, damit es auch den wildesten Tobereien standhält.
Kaum waren wir fertig und hatten das Baumhaus freigegeben, da hingen schon die ersten Kletterwütigen im Baum und beäugten unsere Arbeit.
Nach Abschluss des ersten Projekts steht schon der Plan für unser nächstes und wir können es kaum erwarten, es in die Tat umzusetzen.

Erste Tage in Guwahati

Ankunft

Vier Tage ist es nun her, dass wir uns am Frankfurter Flughafen von unseren Familien und Freunden verabschiedet haben und ins Flugzeug in Richtung Guwahati gestiegen sind. Wir, das sind Matthias Geiger, Karen Stock, Teresa Fachinger, Lea Treeter, Felicitas Muth, Felix Andelfinger und ich (Benedikt Hemmer).
Nach 2-maligem Umsteigen in München und Delhi, wo Astrid Kühne von Accenture unsere Gruppe vervollständigte, trafen wir am Mittag des 16.9. in Guwahati ein.

Nach einem gemeinsamen Mittagessen im Heim Ila wurden wir auf 3 Heime verteilt, in denen wir von nun an, für unsere Zeit in Guwahati leben werden. Lea und Felicitas blieben in Ila, Karen, Teresa und Astrid setzten wir in Jyoti ab und fuhren selbst weiter nach Paltan Bazar, wo Matthias, Felix und ich leben sollten.

Erste Eindrücke

Allein an diesem ersten Tag wurden wir mit Eindrücke überflutet: Heißes feuchtes Klima, lauter und chaotischer Verkehr, bunte Farben, Häuser aus Wellblech und Planen, Unmengen an Müll und Dreckwasser, frei lebende Tiere, laute Musik und sich rasant abwechselnde Gerüche (Abwasser, Müll, Blumen, Gewürze und Speisen).

Die Einführungstage

Die nächsten beiden Tage verbrachten wir damit, die Arbeit vor Ort genauer kennenzulernen.
Die Organisation Snehalaya unterhält in Guwahati 5 Heime:

  • Dhirenpara (Jungen)
  • Jyoti (Mädchen & kleine Jungen)
  • Ila (Mädchen & kleine Jungen)
  • Auxilium (Mädchen & kleine Jungen)
  • Paltan Bazar (ältere Jungen, sowie “Drop-in-center” für neu von der Straße geholte Kinder)

Dazu kommen Day-Care-Center, in denen Kinder betreut werden, deren Eltern diese sonst alleine zu Hause lassen müssten.

Die zu Grunde liegende Idee besteht darin, die körperliche und seelische Verwundbarkeit der Kinder zu verringern, betont Rajiv immer wieder. Dazu werden die meisten Kinder am Bahnhof aufgesammelt. Dort kommen sie einsam und schutzlos aus allen Richtungen an.
Sie kommen zunächst ins Heim Paltan Bazar, es wird versucht ihre Familie ausfindig zu machen und wenn dies nicht gelingt und sie nicht wieder fortlaufen, kommen sie in eines der anderen Heime.

Natürlich sprachen wir nicht nur darüber, sondern besuchten die Orte auch gleich:
Den Bahnhof mit den direkt an den Gleisen errichteten “Unterkünften” aus Planen, Blech und anderem Müll, ein Day-Care-Center mit ruhig schlafenden, spielenden und fröhlichen Kindern und natürlich die Heime. In den Einrichtungen, in die wir kamen, freuten sich die Kinder riesig über uns. Umso mehr, je mehr wir mit ihnen spielten. Gute Aussichten auf die Zukunft also…